Tupiza, 75 km von der argentinischen Grenze entfernt, ist recht lebhaft und hat einiges zu bieten.
Viele Toritos werden nach individuellen Wünschen hergerichtet und optisch getunt.
Jedenfalls sind diese Kleinfahrzeuge DAS Transportmittel für jung und alt.
Was praktisch ist, dass die Ampeln deutlich anzeigen, wie viele Sekunden die jeweilige Rot- oder Grünphase noch andauert.
Die Kenton. Wer schafft, dem soll es auch gut geh'n. Also ein verfrühter Ölwechsel. Ausgeführt von Franz, einem 11 oder 13 jährigen Buben, der im Laden seines Onkels arbeitet.
Franz ist 11 Jahre alt nach eigenem Bekunden, jedoch 13 nach Aussage seines Vaters Franco. Wie dem auch sei, Franz jedenfalls empfiehlt 1 Liter besten MOTUL Öls zu 60 Bolivianos.
Später kommt der Vater ins Geschäft und ich fragte ihn, wieso der Bub im Herzen Südamerikas Franz heißt, ohne Mennonit zu sein.
Der Vater Franco erklärt, er habe über 10 Jahre lang in der Tourismusbranche gearbeitet und dabei den Namen Franz gehört. Der habe ihm gefallen. Voilà.
Franz, Franco, Friseur. Letzteren gab's auch, der hieß aber ebenfalls ganz unbolivianisch "Edwin". Unser Deal war hier, dass er mir mein Haupthaar schneiden darf, ich aber im Gegenzug seinen elektrischen Bartschneider ausleihe. Done Deal für 2,50 Euro im Vintage Salon "El Amigo" des laut urkundlichem Wandaushangs für Haarschneideangelegenheiten zertifizierten Vaters von Edwin.
Zudem verschlug es mich auch noch zu einem niedergelassenen Vergaserexperten im Andenhochland. Unter den vielen Angeboten der "Taller de Moto" entschied ich mich für Alex. Hintergrund meines Besuches war, dass ich dachte, die Highlander, die ja auch alle irgendwelche Chinakracher fahren (auch wenn Kenton hier nicht vertreten ist), wissen, wie man die Vergaser der Höhe entsprechend anpasst. Unter meinen lernenden Augen und unter schließlicher Abgabe von weiteren 2,50 Euro war auch dieser Deal eingetütet. Übrigens, das Schöne sowohl an einer Kenton, als auch an einer niedergelassenen bolivianischen Werkstatt ist, dass man mit einer rostigen Kombizange, einem alten Hammer vom Opa, 3 Inbusschlüsseln, Gabelschlüsseln 10,13,19 sowie verranztem Kreuz- und Flach-Schraubendreher so ziemlich alles am Fahrzeug instandsetzen kann, was anfällt.
Noch ne kleine Oma. Solch eine liebenswerte Dame indigenen Hintergrunds hat sich doch glatt am helllichten Tag vor aller Augen auf städtischem Gehweg niedergesetzt, den Rock gelüftet und uriniert. Sowas! And're Länder, and're Sitten.
Hier, an einem der zahlreichen Essensstände am Straßenrand haben wir gegessen. Hühnchen oder Lama für 80 Cent, Chancho (Schwein) für 1,30 Euro. Jeweils mit Mais und Kartoffeln dargereicht. Ausreichend große Portion, wenn man nicht gerade sehr hungrig ist. Direkt nebenan gibt's den großen Becher erfrischendes Zuckerwasser mit Limone oder Pfirsichbeigabe für umgerechnet 25 Cent. Hamster etc. werden zwar generell auch verspeist, waren hier aber nicht konkret im Angebot.
Richtig viel Essen, das man kaum packen kann, gibt es anderntags für 1,20 Euro an zahlreichen Ständen in der Markthalle. Einen großen Teller kräftiger Suppe mit Fleischeinlage, Nudeln und Kartoffeln sowie dann einen noch größeren Teller mit Rindfleisch, Reis, Kartoffeln und Gemüse. Puuh.
Man kann allerdings alternativ in weniger authentischem, dafür gemütlichem Ambiente auch italienische Pizza essen, die genauso gut schmeckt, wie in Deutschland. Jedoch dann für hiesige Verhältnisse sehr teuer. Über 6 Euro. Wohlschmeckender bolivianischer Rotwein Marke "Kohlberg", gleicher Preis für die Flasche. Glas Wein kostet fast 2 Euro.
Das Leben könnte also so schön sein in Tupiza. Aber Testosteron, Stutenbissigkeit und jugendlicher Ego lassen uns am Sonntag morgen um 5 Uhr aufwachen. Direkt unter dem Fenster unserer Herberge ziehen sich unter lautstarken wechselseitigen, ehrabschneidenden "Puta!"-Rufen, herausgeputzte Latina-Mädchen an den langen schwarzen Haaren und treten sich gegen die Knie.
Die Polizei erscheint, ist jedoch nur sehr milde am Geschehen interessiert, und verscheucht die Streithennen und ihre Begleiter halbherzig.
Kaum ist die Polizei weggefahren, geht es richtig los und man prügelt und tritt schreiend aufeinander ein. Jeder gegen jeden. Wie man es von Hooligans kennt.Tja, 18-jährige Städter scheinen überall gleich zu sein.
Ich erinnere mich dunkel an meine Vergangenheit.
Also lieber wieder raus in die Natur. Die ist sehr ansprechend um Tupiza herum.
Hier gibt es mehr Schiefer, als man bräuchte, um die gesamten Dächer der Westerwald-Dörfer neu zu decken und die Vogelsberg-Bauernhöfe zu verschindeln.
Fußballplatz. In meiner aktiven Zeit in den 70er und 80er Jahren waren Hartplätze bei uns sehr unbeliebt. Doch alles ist relativ, wir schon Herr A. Einstein postulierte. Torwart auf diesem Fußballplatz hätte ich jedenfalls in meinen besten Tagen nicht sein wollen. Es gibt ja auch andere schöne Sportarten. Schach, z.B.
Eine riesige Müllkippe am Eingang zur "Puerta del Diablo", dem Teufelstor, gab's auch. Und apokalyptische Banden von wilden Hunden, die entschlossen waren, ihren Lebensraum gegen jedwede Eindringlinge zu verteidigen. Fotos fehlen, da Schreiber im Fluchtmodus. Außer den 3 lauernd bellenden Höhlenhunden bzw. Höllenhunden im Berg kein Fotobeweis.
Landwirtschaft auf der Hochebene.
Gefördertes Projekt der Welthungerhilfe, der EU und dem Deutschen Landwirtschaftsverband.
Fotos aus Tupiza und Umgebung:
Beim Herrn oben haben wir Fleisch erworben, der Schuhmacher unten hat versucht, meine Machete zu schärfen, was aber gründlich misslang. 40er Körnung am Schleifstein war nachweislich ungeeignet.
Naja, alles ganz hübsch. Leute in den Läden und wo man sonst Kontakt hatte, waren nett bis sehr nett. Im Schnitt freundlicher, als auf dem Land. Cindy bemerkte zu recht, dass Menschen im Gebirge meist raue Typen sind. Egal in welcher Nation. Da ist wohl was dran. Mit dieser Weisheit des Tages geht es nun morgen früh vollgetankt weiter nach Uyuni zur größten Salzpfanne der Erde.
Apropos vollgetankt. Einheimische zahlen 40 Cent für einen Liter Sprit, Ausländer knapp das dreifache. Warum auch nicht.
Auf Bald!





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