Sonntag, 31. Dezember 2017

Mit dem Fahrrad durch den Chaco an die Grenze zu Bolivien und Brasilien (?)

Das ist jedenfalls die Idee, wie ich die weniger als 500 Kilometer zurücklegen könnte. Blanke Theorie bis jetzt. Jetzt bin ich schon fast 500 km nördlich von Asunción im Chaco Central und wenn ich jetzt nicht weiter Richtung Norden fahre, dann wohl nie mehr. Moped hatte ich erwogen und ist auch bezahlbar, aber jeder riet mir davon ab, damit weitere Strecken zurückzulegen. Zu unzuverlässig. Außerdem gäbe es Schwierigkeiten beim Grenzübertritt wegen der Fahrzeugversicherung. Schließlich ist die Frage, wo ich ohne passendes Tankstellennetz Treibstoff herbekäme. Und 'ne 1000er Honda Africa Twin hab ich nicht.

Da dachte ich daran, dass es ja eine Zeit gab, in der die Bergsteigerlegende Luis Trenker lebte und wirkte. Also eine Zeit, bevor es wasserdichte Rucksäcke, Goretex und Funktionswäsche gab. Und bei Fahrrädern Worte wie Carbonrahmen, Shimano oder Rohloff nichtmal im Lexikon zu finden waren. Back to the roots, zurück zum Einfachen.

Also war die Idee geboren, als ich mit Andreas' Fahrrad zu meinem Arbeitsort hier auf der Ranch gefahren bin. Zugegeben hatte mich allerdings auch "Cycling Cindys" Geschichte inspiriert, als ich sie vor knapp 3 Wochen hörte.


An solch einem Fahrrad, so meine Überlegung, kann im Gegensatz zum Moped  wenig kaputtgehen, und wenn es dennoch unterwegs völlig den Geist aufgeben sollte, verschenke ich es, bzw. lasse es zurück und fahre per Anhalter weiter oder gehe zu Fuß. Oder eine Kombination von beidem. In Simbabwe damals konnte ich auch mehrfach auf irgendwelchen Eselskarren durch den Busch mitfahren. Laufen von Anfang an ist zu weit und zu langweilig. (Die einzige Abwechslung beim Gehen im hohen Norden wäre vielleicht ein Jaguar und den brauche ich nicht. Mir egal, wie der aussieht oder was der kann oder nicht kann. Bleib weg!).

Das Fahrrad werde ich für die Dauer meiner Unternehmung von Andreas ausleihen können. Bringe ich es nicht zurück, gebe ich ihm die 150 Euro, die das Teil hier etwa kostet.

Ausstattungsschwerpunkte des Rades:

Vorderbremse: nicht vorhanden
Licht vorne: nicht vorhanden
Licht hinten: nicht vorhanden
Klingel: nicht vorhanden
Tacho: nicht vorhanden
Gangschaltung: nicht vorhanden
Lenkerhörnchen: nicht vorhanden
Kette: knarz 200, Modell rostig.

(quasi Sonderedition "Luis Trenker")

Das bedeutet dankenswerterweise, dass all diese genannten Dinge auch nicht kaputt gehen können.

Ein hoffentlich robuster Heiker also mit Stahlrahmen der renommierten Weltmarke
CALOI, Typ "Terraforte" 

Eine 2-stündige Probefahrt ergab, dass der weiche, breite Sattel toll ist, um zum 200m entfernten Bäcker zu gleiten, um 4 gemischte, glutenfreie Vollkornbrötchen zu holen, ansonsten sich jedoch als ungünstig für das Wohlbefinden auf längeren Strecken erwies. Außerdem kann die Sattelstütze nicht weit genug herausgezogen werden. Der ständige Nachteil, wenn man lange Beine hat. Ungepolsterte Lenkradgriffe waren auch nicht optimal. Aber was soll's, dafür habe ich seitliche Speichen-Reflektoren an den Rädern! Die hatte nichtmal Luis T. am Baumwollrucksack mit Lederriemen.


Kraftfahrzeuge waren bereits hier Mangelware. Im Gegensatz zu Moskitos, die glichen den Mangel deutlich aus. Da hieß die Devise wie einst bei Hannes Kammer im Fußballtraining beim FCA in den 80-ern: "Immer in Bewegung bleiben, Männer!".
4 Pick-Ups und 1 Motorrad traf ich in 2 Stunden. Alle Fahrer grüßten freundlich (oder zeigten sie mir den Vogel?). Egal, mir stand gewiss die allermeiste Zeit der breiteste Fahrradweg (abgesehen von der Sahara) zur Verfügung.


Bei meinem Versuch, der staubigen Sandpiste zu entgehen und meinen Rückweg abzukürzen, landete ich auf immer dünner werdenden Pfaden und irgendwann stand ich im  Wald. Sprichwörtlich. Da kam mir beim Schieben des Gefährts und Nachdenken über das zukünftige Übernachten in meiner Hängematte der Gedanke, dass Pumas aus dem Stand 5,5 Meter hoch springen können. Merkwürdig, welche Gedanken einem durch den Kopf gehen, wenn man ein blaues Fahrrad durchs Gestrüpp schiebt...


Nun ja, ich konnte mich an der Sonne orientieren und der Weg nach Westen war durch die Staubpiste begrenzt. So kämpfte ich mich mit dem Rad über und unter ungezählte Zäune von Estancias und war noch vor Einbruch völliger Dunkelheit sicher zu Hause. Leider habe ich beim Über- oder Unterklettern von Hindernissen bereits meine zweite Lesebrille verloren. Jetzt habe ich nur noch den Joker, eine weiße Restbestands-Plastik-Damenbrille, 2.5 Dioptrin von der Stange. Am Nachtschalter der Apotheke in Filafelfia gekauft. Immerhin, die Apothekerin meinte: "Cool".


Am übermorgigen Dienstag will ich dann noch in die Stadt nach Filafelfia, um Ersatzschlauch, Flickzeug, Luftpumpe und einen Schraubenschlüssel für die Radmuttern zu kaufen. Und ein paar Kilo Erdnüsse. Nach der Tour habe ich dann vermutlich genug von Ültje & Co. Wasserreinigungstropfen habe ich aus Deutschland. Hängematte mit Moskitonetz auch.

Mein Handy schalte ich ab Mittwoch früh aus, um Akku zu sparen. Mein externer Akkupack gibt mir zwar noch 2 Extraladungen, aber wer weiß, wann ich wieder aufladen kann. Außerdem sagt Andreas, dass meine CLARO-Sim-Karte da oben eh keinen Empfang hat.

Marcus' gepostes Lied hat mich angesprochen und so verlinkte ich es ungeniert.

Liebe Familie, Freunde, Bekannte und vielleicht sogar unbekannte Leser, ich wünsche euch ein gutes Neues Jahr 2018.

"Yahweh segne dich und behüte dich; Yahweh lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; Yahweh hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Shalom (Frieden)."
 (4.Mose 6:24-26)

Samstag, 30. Dezember 2017

Ein Lausbub findet zur Technik

So hieß das illustrierte Jugendbuch von 1949, das ich als Kind noch von meinem Vater übernommen hatte.


Dieses Buch kam mir in den Sinn, als ich mit Staunen sah, was der 6 Jahre alte Ornithologe heute trieb. Da hantierte er doch glatt mit einem Montiereisen zwischen Felge und Deckmantel seines abmontierten Fahrradhinterrades auf dem Boden sitzend herum, als ich mich der Außenwerkstatt näherte.


Alan baute alles selbständig ab und aus. Luft wurde mittels Ventilschlüssel abgelassen und der Schlauch entnommen. Schadstelle im Wassereimer durch die Blasenbildung ermittelt und der Schlauch getrocknet.

Umgebung des Defektes aufgerauht und vulkanisiert.

Gewartet, Flicken aufgebracht und wieder alles montiert.  2,5 bar Luft aus dem Kompressor draufgegeben, Rad eingebaut,  Rücktritt-Bremsarm am Rahmen angeschraubt und die Muttern des Achsbolzens gut angezogen.

Daumen hoch! Fahrtest bestanden.
"Hab' ich von Papa gelernt", hieß die nonchalante Antwort auf meine diesbezügliche Frage. 
6 Jahre alt.

Da ich wirklich nur bei ganz wenigen Handgriffen half (letztes Stück Deckmantel über die Felge ziehen und Kette über das Ritzel werfen), hatte ich keine Probleme, Alan beim Einbau eines Zwischenbodens für einen Besenschrank zu assistieren.

10er Loch bohren.

Gewindebolzen eintreiben.

Unterlegscheibe nicht vergessen und die Schraubenmutter mit 13er Schlüssel festziehen.
Fertig ist die Seitenauflage.

Nach Trikotwechsel im Anschluss an die Siesta, hieß es Einlegeböden ausmessen
und mit leichter Unterstützung rechtwinklig anreißen. 
Zuschneiden hat der Onkel Geo gemacht
 (Hier ist, wie in meiner Kindheit die Bezeichnung "Onkel" und "Tante" für ältere üblich. 
Wie auch in Südafrika in der Afriaans-Kultur  "Oom"  und "Tannie")

Transport der gefertigten Teile zum Einbauort.

Passt.

 
Arbeitsplatz dem Kunden sauber übergeben.

Besenschrank fertig.


Das war am Donnerstag. Shabbat Shalom!





Donnerstag, 28. Dezember 2017

Lämmer, die dem Tod entronnen, sich alsbald in der Hauptstadt sonnen!

Die Frau "damals" auf dem Marktstand mit dem T-Shirt "Paraguay, die Bierrepublik
hatte genauso recht, wie Ariel, der Kupllungsinstandsetzer aus Asunción.


 Es waren nämlich ein paar Gäste aus der Hauptstadt über Nacht zu Besuch. Ich sage nur soviel: ich hätte diese T-Shirts gestern freimütig und aus Überzeugung mit vollen Händen an die Gäste verschenkt. Gleichwohl, alles blieb ausgesprochen friedlich und freundlich und am Ende wurden auch noch die 3 flaschengefütterten Hof-Lämmer Bruno, Bärli und Molly
für zusammen unter 50 Euro in treusorgende Hände verkauft.


 Zwar ein etwas emotionaler Abschiedsmoment für Bärbel (Cindy war zum Glück in der Stadt beim Arzt), aber wenigstens dürfen die tierliebenden Damen wissen, dass ihre Schmuse-Lämmer ihren Platz in Kürze als Rasenmäher in einem Garten in Asunción und nicht auf dem Teller zwischen Kartoffelbrei und Erbsengemüse einnehmen werden. Schön auch, dass die Kleinen als Mini-Herde zusammen bleiben dürfen. 

So zogen sie von dannen - ausgerüstet mit dem nötigsten Proviant für die 7-Stunden-Fahrt im BMW-Kombi ohne Umweltplakette. 



Und damit bleiben diese 3 sympathischen Gesellen 
auch für mich nur eine bald verblassende Erinnerung.

"Geo Lustig" mit Lamm Bärli und Bauwagen.
Löwenzahn.


Nachtrag 29.12.17, 21.35 Uhr:

Eben kommt Meldung, dass es den Schäfchen in Asunción gut geht 
(Schaf müsste man sein - dort).





Airbnb, Schlange und "Keiner bleibt zurück!"

Heute (jetzt bereits gestern) hatte ich über 10 Stunden am neuen Geschäftslaptop zugebracht. Unter anderem das Privathaus in Filafelfia und die hiesige Estancia mit verschiedenen Zimmern und Gästehäuschen bei der Vermietungsplatzform "Airbnb" für Gerhard und Marylin gelistet. Das habe ich guten Gewissens getan, denn es ist empfehlenswert, mal auf einen Sprung im Chaco bei Iparoma vorbeizuschauen (Achtung, schamlose Werbung!).  

Dann kann man vielleicht auch selbst einmal wie Adam, Hoss und Little Joe Cartwright
zur Nordweide reiten, um zu sehen, ob der Zaun noch intakt ist.

Die Pferde sind easy going.
Hacken tief und Knieschluss nicht vergessen!

 Chef Gerhard rief mich zwischendurch und zeigte mir eine ungefährliche Schlange vor der Werkstatt. Der nützliche Froschfresser hat zwar Fangzähne, aber eben ohne Gift. Vermutlich wäre die direkte Konfrontation nicht schlimmer, als mein gestriger Griff in den Kaktus. Ich war demnach fest entschlossen, sie für das Foto hinter dem Kopf zu ergreifen (Gerhard hatte mich tendenziell dazu ermutigt), aber der flinke Bauchkriecher, der listiger ist als alle anderen Tiere des Feldes, entfleuchte unter einen Holzstapel. 

Wie üblich, lief Gerhard auch zu dieser Zeit mit seinem zigarettenschachtelgroßen  Transistorradio in der Hemden-Brusttasche umher und lauschte dem deutschsprachigen Chaco-Mennonitensender "ZP 30", als das in frommen Kreisen bekannte Lied "Stern auf den ich schaue" in meinem Beisein erklang. Ich hätte aus dramaturgischen Gründen wegen der Bedeutung des Textes gerne statt "erklang", "erscholl" geschrieben, um die Wucht des Liedes auch sprachlich auszudrücken, aber das wäre angesichts der geschätzten 1-2 Watt Mono-Ausgangsleistung aus der Hemdentasche doch zu dick aufgetragen gewesen.
 Jedenfalls schloss ich Frieden mit dem Tier und wir einigten uns darauf, dass mir die Schlange nicht in die Ferse sticht und ich ihr nicht den Kopf zertrete.

Von Gerhard kann man extrem viel lernen. 
Er ist kein Mann vieler Worte, aber wenn er etwas sagt, hat das Gewicht.

Was sonst noch so geschah? Wir haben eine tolle Gemeinschaft hier auf der Estancia. Sehr, sehr unterschiedliche Leute treffen sich. Fromme und Unfromme. Tierschützer und Tiertöter. Mülltrenner und Plastikabfall-Verbrenner. Aber da der gegenseitige Respekt ausgeprägt ist, funktioniert es prima. So gut, dass wir gemeinsam eine Art Mensch-Ärgere-Dich-Nicht entworfen und gespielt haben. Das Spiel ist ein Insiderspiel für uns als Gruppe, das real Erlebtes im Spiel abbildet. Etwa: "Du hast das Melken verschlafen! Gehe zurück zum Start" oder "Aua! Du hast dich am Kaktus gestochen. Gehe 2 Felder zurück, um eine Pinzette zu holen" oder "Du hast alle Pfannen fettfrei abgespült. Rücke 3 Felder vor".

Linke Hälfte des durch Bärbel gezeichneten Spiels.

Ideengeberin war Ziegen-Bärbel in der weitaus mehr steckt, als Liebe zu Tieren und Natur. Damals in der DDR wurden im Familienkreis regelmäßig Spiele entwickelt. Kaum hatte ich vor ein paar Tagen die Idee des gemeinsamen Spiels aufgebracht, holte Bärbel Papier und Buntstifte und los gings. Nebenbei erfuhr ich, dass sie nicht nur zur DDR-Jugend-Olympiade in Mathematik berufen wurde (ein Umstand, der mich als ehemaligen Mathe-Nachhilfeschüler erschaudern lässt), sondern auch an der nationalen Olympiade im Zeichnen vertreten war. Ich vermute, mit mir wäre damals in Ostdeutschland kein Blumentopf zu gewinnen gewesen. Immerhin, Bärbel spricht zwar gut englisch und auch ganz gut spanisch, aber mit dem deutsch hapert es. Sage nicht ich, sondern die Google-Spracherkennung ihres Android-Smartphones. Die kann nämlich ihr ausgeprägtes Leipziger Hochsächsisch nicht in Duden-anerkannte Schriftsprache konvertieren. Ei verbibbsch!


Das Spiel nahm einen für Alan harten Verlauf und er lag irgendwann abgeschlagen mit seinem kleinen Schneckenhaus als Spielfigur hinten. Alle anderen waren im Ziel. Er blieb gefasst, aber die Enttäuschung war ihm dennoch anzumerken. Ich habe ihm gesagt, dass keiner von uns alleine zurückbleibt, und wir alle warten würden, bis auch er sich ins Ziel gewürfelt hätte. Es ginge nicht darum, wer als erster ankommt, sondern dass alle heil ankommen. So geschah es dann; alle haben geklatscht, sich gefreut und keiner hat sich geärgert.



Nachbetrachtung zum 24. - 26.12.2017: 

Kurzfassung: fand nicht statt.

Langfassung: keine roten Mützen, Rentiere, Lieder im Supermarkt, Werbung, Geschenke, Enttäuschungen, Kränze, Bäume, langweilige Gottesdienste, Umtauschaktionen, Lichterketten, guten Wünsche, Einladungen, Stress. Erholsam!

Andreas, Elli und ich haben abends, nach dem Abendessen noch ein Stündchen Bibel gelesen, uns ausgetauscht und gebetet. So, wie am 23. und am 27.12.








Mittwoch, 27. Dezember 2017

Grüne Kakteen und grüne Teiche

Gestern, Dienstag, ging es zu einer zweistündigen Wanderung mit Andreas und einem Gast durch die Natur.


Hier waren wir unterwegs.

Sogleich konnte ich mein vom 6-jährigen Alan erlerntes Pseudowissen von voriger Woche an den Mann bringen. Spuren von Wildkatze, Waschbär, Nandu usw. erkennen, ist eigentlich nicht so schwer, wenn man es einmal gesehen hat.
Auch die Kreischeule, saß da, wo sie immer sitzt. Ist dann auch beherrschbar.


Kakteen wachsen hoch hinaus.

Ich bereite mich mental auf meine Weiterreise in Richtung des Bundeslandes "Alto Paraguay" in spätestens 1 Woche vor, das groß und extrem dünn besiedelt ist. Über 82.000 km² und insgesamt nur 0,18 Einwohner pro Quadratkilometer! Selbst in Sibirien wohnen mit 3 Personen pro km² 15-mal so viele Menschen. Und sogar im eisigen Alaska, das einem nicht zuerst wegen dichter Besiedlung in den Sinn kommt, leben umgerechnet mehr Leute, als im hohen Norden Paraguays. Wer hätte das gedacht. Krass.

Daher will ich sehen, was so alles essbar ist.

Kleiner Kaktus (150cm)  mit Drachenfrucht
Habe ihn trotz stacheliger Gegenwehr fast leergeräumt.

Frucht schmeckt nicht hervorragend, aber doch annehmbar.


Gestern bereits hatte ich mir an einer anderen essbaren Kaktusfrucht gemeine, haarfeine Stacheln in die Fingerspitzen gejagt, die mich die ganze Nacht geplagt hatten (ein Pfennigartikel, wie meine Pinzette aus der DM war deshalb nicht in Gold aufzuwiegen) und heute also an einer der superspitzen Stacheln in die Hand gestochen. Merke: Die "Comedian Harmonists" hatten bereits 1934 mit ihrem Hit recht: "Mein kleiner grüner Kaktus, ja der sticht, sticht, sticht!"
Erstaunlich, dass sich Kakteen nicht bewegen und sich dennoch gut zu verteidigen wissen.



Vor diesen Riesenkaktus steht ein Baum, der nicht essbar ist, aber dennoch meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Siehe da, die mir bekannte Akazienart "Black Wattle". In Südafrika eine aus Australien eingeschleppte, sich oft schnell und unkontrolliert vermehrende  Schadpflanze, weil sie andere Vegetation zurückdrängt . Hier werden, wie in Südafrika, die jungen Stämme abgeschnitten und der Stumpf mit Gift behandelt, um erneutes Austreiben zu verhindern. Im Chaco ist der Baum aber vermutlich deshalb kein großes Problem, da es hier im Jahresmittel zu trocken ist.


Der Samen des Schreckens der Black Wattle. Er treibt auch nach vielen Jahrzehnten 
des Schlummerns in der Erde noch aus. 
Beinahe unzerstörbar - überlebt selbst normales Feuer.



Wie lieblich dann doch das sanfte Blümlein, klein und stumm am Wegesrand, das irgendwie der harten Umgebung mit seinen hauchzarten Blättchen und dem filigranen Blütenstand widersteht. Egal, ob trampelnde Rinderherden, stechende Sonne oder Wolkenbrüche. 
Die Frisur sitzt und das Blümchen, das keiner kennt, trotzt allen Widrigkeiten. Erstaunlich!


Das Unschöne soll nicht verschwiegen werden:  Massiver Algenbesatz im Uferbereich dieses Weihers in bissigem BASF-grün. Dennoch, ausweislich der zahlreichen und unterschiedlichen Fußabdruckspuren und der Trampelpfade um den Teich, wird er stark durch allerlei Tierarten frequentiert. Man darf vielleicht als Chaco-Tier nicht zu wählerisch sein. Immerhin geruchsneutral.


 Termiten mit großem Kastenbau im Baum.


Unbewohnt und verlassen. Baumaterial leicht, wie Pappkarton.

Wir sahen am BASF-Weiher noch kreisende Geier wie bei John Wayne, einen Leguan mit knapp 1 Meter Länge und eine schillernd bunte Echse, etwa 20 cm lang. 

Alles schön und gut. Was mich noch sehr fasziniert, sind die langen und extrem stabilen Weidezäune hier. Die 5 dicken Drähte, die den Zaun ausmachen, sind über lange Distanzen  so straff gespannt, dass nichts durchhängt und man auf den Zaundrähten Gitarre spielen könnte. Dass das die Holzpfosten an den Enden diese enormen Zuglasten aushalten!? Faszinierend (vermutlich nur für mich).






Dienstag, 26. Dezember 2017

Taufrischer Paraguay-Blog von Marcus

Mein Freund Marcus ist vor ein paar Tagen mit seiner Frau ohne Rückflugticket nach Paraguay ausgereist.


Er hält sich derzeit in einer anderen Region auf. 650 km südöstlich, bzw. 10-12 Busstunden entfernt. Wer noch nicht genug vom Thema haben sollte und wissen möchte, wie sein erster Eindruck von Land und Leuten ist, kann sich seine Erfahrungen hier anschauen.

Man muss sich dann registrieren.

Ob er etwas anderes erlebt als ich? Bin sehr gespannt.

Montag, 25. Dezember 2017

Ausflug in die Natur des Chaco und nach Loma Plata

Ein zahlender Gast hatte für heute eine Exkursion bei Iparoma gebucht. Dankenswerter Weise hat Chefin Marylin zugestanden, dass auch ich mitfahren darf. Um 04.30 Uhr  hieß es aufstehen und dann ging es unter der Führung von Andreas los.

Erste Vogelbeobachtung noch im Morgengrauen.

Weiter auf ewigem Pfade.

Vorbei an ein paar Nandus.

Bis zum Naturschutzgebiet "Laguna Capitán".

Wasser riecht teilweise nach Schwefel. 
Gesund und hilft gegen Hautkrankheiten.



Kaktusblüte. 
 "Königin der Nacht" (Hinweis meiner Mutter)

Sehr kleine Ameisen graben sehr große und tiefe Löcher.



 Sehr unberührte Lagunenlandschaft.

Maracuja

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Oleander (erneut half das mütterliche Pflanzenwissen)

Tausendfüßler mit je 500 Fußspuren auf beiden Seiten.


Gürteltier. Dieses Exemplar war nicht mehr ganz lebendig.  
Wir haben aber auch ein lebendes gesehen.   
Sind etwa so groß, wie ein Sportschuh Größe 48 (tot oder lebendig).

Nochmal Wasservögel. Man sah chilenische Flamingos und mir unbekanntes Flugvolk.   
Außerdem auch Störche und Geier.

Abgelegener Militärstützpunkt "Fort Isla Po'i"
aus der Zeit des Chaco-Krieges gegen Bolivien.

Ehemaliges Gebäude der Kommandantur.
Es gab auch noch ein paar andere Gebäude, Denkmal  
sowie Friedhof in knapp 2 km Entfernung.

Eisenketten von schwerem Kriegsgerät der frühen 1930er.

Weiter ging es auf dem Rückweg durch das 1927 geründete Loma Plata. 
Hauptort der gleichnamigen Mennonitenkolonie mit 5000 Einwohnern. 
Die Kolonie Loma Plata umfasst bei 16.500 Bewohnern 1800 km².
Sommertemperatur bis 44 Grad, Winter bis 0 Grad.

Flugplatz. Heute geschlossen, aber WC war offen.  
Manchmal eine winzige und doch bedeutsame Kleinigkeit.

Das spitzbübische Auge hat es erspäht. Der halbherzig kettengesicherte 
Getränkekühlschrank hätte durstigen Langfingern keine Mühe bereitet. 
Aber Kriminalität scheint hier ohnehin nicht das ganz große Thema zu sein.

Start- /Landebahn - Sandpiste.

Nanu, verfahren? Sind wir gleich im Badischen?

Typisches Steinhaus in einem Dorf mit indigenen Bewohnern.  
Aus Gründen gebotener Zurückhaltung keine Personenfotos gemacht.

Projekt mit neuen Häusern in gleichem Dorf bei Loma Plata.


Oase mit kleinem Tierpark. Bestimmt tolle Tiere, da drin. Aber,
weiter, als bis zum Stuhl am Eingang habe ich es nicht geschafft. Gääähn.


Eingeschlafen.
Ich träumte, glaube ich, von Wasserschweinen.



Da sind sie ja! Träum' ich etwa? 
Scheue Wasserschweine (Capybaras).
Größte Nagetiere der Welt am Straßenrand.


Genforschungsanlage "Chacra Experimental de Isla Po'i" 
für Erdnüsse, Tomaten, Soja und Baumwolle (Schreck!).
Siehe unter Economía

Wilder, als der wildeste Westen.
Letzte Tankstelle vor der nicht vorhandenen Autobahn.

Nix wie heim. Erst was essen und dann die Tür am Gästehaus fertig einbauen.