Hinweis: ich schreibe mit einer einfachen App auf dem Handy. Daher ist das Layout nicht besonders ausgefeilt.
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Beim fünften Aufenthalt in der Hauptstadt Paraguays kommt uns Vieles schon sehr vertraut vor. Wir wohnten wieder im Zentrum, diesmal über Airbnb bei Noel im "Casa Amarilla".
Bei einer Busfahrt in Asunción traf ich auf Junior, der gerade Bibel las. Er sagte, dass er lange Jahre kokainabhängig war und Jesus ihn aus Sucht und Kriminalität befreite. Nun ist er verheiratet, hat ein Kind und ist berufstätig. Nur seine von okkulten Tattoo-Motiven übersäte Haut zeugte von seiner harten Vergangenheit.
Ein schönes Zeugnis.
Nach einigen Tagen ging es von Asunción 7 Stunden lang mit dem Golondrina Bus wieder nach Filadelfia in den Chaco, wo liebe Freunde sowie die treue Kenton auf uns warteten.
Für 270 US Dollar musste noch eine Haftpflichtversicherung, die Carta Verde her, da Bolivien einen Versicherungsnachweis bei der Einreise verlangt.
Damit war die allerletzte Hürde beseitigt und es konnte losgehen - obwohl uns vielfach von einer Reise nach Bolivien angesichts der derzeitigen Instabilität des Landes und der Straßenblockaden abgeraten wurde.
Der Grenzübertritt nach Bolivien bei Infante Rivarola gestaltete sich halbwegs einfach und war einschließlich der peniblen Zollabfertigung in gut 1 Stunde bewältigt. Die teure Carta Verde wollte niemand sehen.
Nach einigen Tagen ging es von Asunción 7 Stunden lang mit dem Golondrina Bus wieder nach Filadelfia in den Chaco, wo liebe Freunde sowie die treue Kenton auf uns warteten.
Die Kenton wurde einer Komplettüberholung ausgesetzt und dank dem tollen Team von Motorsport Wiens (danke Norman, Matthias, Romeo, Julio und den anderen) mit LED Zusatzscheinwerfern und maßangefertigtem Gepäckträger startklar gemacht. Zudem hatte ich mit Schwerlastwinkeln aus dem Leroy Merlín Baumarkt in Finestrat (Spanien) und 2 halben Besenstilen aus dem Supermarkt in Filafelfia eine Aufbewahrungsmöglichkeit für leichte Gegenstände wir die Zelte, an der Vorderradgabel à la Elchgeweih geschaffen.
Damit stand technischerseits dem Versuch, uns über Bolivien, Peru und Ecuador bis nach Kolumbien durchzuschlagen, nichts mehr im Wege.
Für 270 US Dollar musste noch eine Haftpflichtversicherung, die Carta Verde her, da Bolivien einen Versicherungsnachweis bei der Einreise verlangt.
Damit war die allerletzte Hürde beseitigt und es konnte losgehen - obwohl uns vielfach von einer Reise nach Bolivien angesichts der derzeitigen Instabilität des Landes und der Straßenblockaden abgeraten wurde.
Nach zwei Nächten in unseren Zelten auf Iparoma, ging es dann über Mariscal Estigarribia und La Patria nach Bolivien.
Bei der Übernachtung im schroffen Chaco vor La Patria erlitt meine Thermarest Matratze leider einen (reparaturfähigen) doppelten Stacheldurchstich.
Es ist uns aufgefallen, dass wir in dieser Stunde am Übergang die einzigen waren, die die Grenze passieren wollten. Der Schlagbaum war abgeschlossen und der zuständige Zollbeamte musste im weiten Gelände gesucht und in einem der zahlreichen Bürocontainer aufgespürt und losgeeist werden. Keiner wollte nach Bolivien rein und keiner wollte oder konnte raus, so schien es.
Willkommen in Bolivien. Bereits 2 Kilometer nach dieser Aufnahme die erste Militärkontrolle. Ungläubiges Staunen, dass wir mit diesem "Chinita", wie es der Kontrollierende nannte, dem kleinen Chinesen, so weit reisen.
Die Fahrzeit verging und die kaum frequentierten Straßen waren meistens gut befahrbar. Mit Ausnahme von etwa 20 km der N 11 zwischen Ibibobo und Villamontes, die zwar zweispurig ausgestaltet war, aber mit einer Art Gleisschotter bedeckt wurde. LKWs und Pickups haben etwa 5 bis 20 cm tiefe Fahrrinnen verursacht, die ich kaum halten konnte. Die 10 PS Kenton wiegt mit Ladung um die 350 kg, was knackig-elegante Fahrmanöver ausschließt, zumal das Fahrgestell für dieses Gesamtgewicht nicht ausgelegt ist. Die Gesamtkonstruktion agiert eher träge und schwammig. Also war ich ständig gefangen und dem Sturz bei Schrittgeschwindigkeit nahe - ein Gefühl fast wie mit dem Fahrrad in Straßenbahnschienen.
Die nächste Hürde bestand darin, nach Villamontes hineinzukommen, da überall im Land wegen der angespannten politischen Lage Straßensperren an den Stadtein- und -ausgängen errichtet wurden.
Nachdem auch das geschafft war, hatten wir in Villamontes eine billige und komfortlose Absteige bezogen, die Cindy noch von ihrem letzten Aufenthalt mit dem Fahrrad kannte. Nicht völlig zu recht hieß dieses Alojamiento "El Dorado".
Sogleich machte ich mich mit 2x5 Liter Kanistern zur 600 Meter entfernten Tankstelle auf, um Ersatz-Sprit fürs Moped zu besorgen. "Gibt keinen!", hieß es. Mir war durchaus aufgefallen, dass an der Tankstelle ca. 10 Tanklaster standen. Erst später ging mir allerdings auf, dass wegen der Straßensperren keine Tanklaster zwischen den Städten fahren können und daher die Tankstellen auch nicht beliefert werden.
Weiter zieht also der Bär zu Fuß zur nächsten Tanke. Gleiches Resultat. Leicht entmutigt trat ich den Rückweg an und wähnte 2 km umsonst an der hässlichen Hauptstraße mit meinen quietschgelben Kanistern entlang gelaufen zu sein. Doch zu meiner Rettung kam der einheimische Mopedfahrer Caesar, der mich auf sein Fahrzeug einlud und mir den Kauf von 10 Litern Benzin ermöglichte. Er konnte gegen Vorlage seiner Papiere und auf sein Kennzeichen kaufen, was mir zuvor verwehrt wurde.
In der folgenden Zeit sollte das der meistgehörte Spruch an unterschiedlichen bolivianischen Tankstellen in unterschiedlichen Orten sein: " No hay!" - gibt's nicht!
Allerdings gab es Daniel und Gonzalo. Die beiden sah ich auf meinem Rückweg von der Tankstelle an Gonzalos künftigem Ladengeschäft herumdoktern. Namentlich waren sie mit Schweißarbeiten für das Eingangstor beschäftigt. Ich fragte kurzerhand und für 17 Uhr des gleichen Sonntags wurde vereinbart, dass die beiden mir einen Käfig für die Benzinkanister an meinen Gepäckträger schweißen.
Daniel, links, der junge Koka-Kauer und Eisen-Schweißer. 6 Euro inclusive Material. Im Mercado Central habe ich dann noch für 1,80 Euro schwarze Farbe und Pinsel erstanden und den neuen Käfig gestrichen.
Die Preise in Bolivien sind für Dienstleistungen und Alltagsartikel sehr günstig, wenn man von Euro oder Dollar wechselt.
Nun hörte ich am gleichen Sonntag auf der Straße, dass Präsident Evo Morales angeblich zurückgetreten sei. Daher gab es Hupkonzerte, Schüsse und Flaggenparaden, wie nach dem Gewinn einer Fußball-WM.
Leider währte die Freude nur kurz, denn die Lage im Land hatte sich nicht verbessert; zunehmend war die Rede sogar von Bandenaktivitäten, Plünderungen und Toten. Die Straßensperren gab es auch weiterhin. Schade.
Egal, nach ein paar Tagen in der eher unschönen Stadt Villamontes mit viel offener Armut, zogen wir weiter.
Schwupps, bereits am Ortsausgang Richtung Entre Ríos und Tarija, wieder massive Straßensperren. Die Städte sind von allen Seiten mehrfach abgeriegelt und die teils grimmigen Blockadenbewacher waren nicht immer Leute, mit denen leicht umzugehen war. An der folgenden Stelle hatte ich eine unschöne Auseinandersetzung an der "bloqueada", als ich mich mit meinem Moto vorbeizwängte.
In der Provinzhauptstadt Tarija gab es nicht nur unzählige Straßensperren und Chaos dergestalt, dass die Verkehrsregeln, wie Rote Ampeln oder Einbahnstraßen komplett außer Kraft gesetzt waren, sondern selbst die Zufahrten zu den Tankstellen wurden blockiert.
Zwar konnte ich an obiger blockierter Tankstelle trotzdem 6 Liter Sprit zu gesetzeskonform mehrfach überhöhten Touristensteuer-Preisen ergattern, doch zuweilen musste ich von Tür zu Tür gehen, um privat nach Benzin zu betteln.
Nachfolgend gelang dies Dank des Tipps eines alten Mannes in einer Ansiedlung, die aus nur wenigen Häusern bestand. Die einzige Ansiedlung seit Stunden Fahrzeit.
Nachfolgend nun einige zumeist unkommentierte Fotos der grandiosen Landschaften zwischen Villamontes und Tupiza:
Schlafplatz mit atemberaubend lauten Urwaldgeräuschen bei Vollmond:
Fahren im ländlichen Bolivien ist auch tagsüber nicht ungefährlich.
Die wenigen Busse und Lkw, die außerhalb der Städte fahren, brausen ohne ausreichend Sicht, auf Gedeih und Verderb mit überhöhter Geschwindigkeit (jedenfalls nach meiner Einschätzung) durch die Schotterkurven - eine wahre Pracht. Manche vorausschauenden Fahrer kündigen ihr Kommen wenigstens durch Hupen an. Es verwundert daher nicht, dass dann buchstäblich in jeder Kurve Erinnerungs-Kreuze für verunfallte Personen stehen. Meistens gibt es keine Leitplanken und so wartet der fast freie Fall vom Berghang auf den oder die Unglücklichen.
Dass zudem durch ständigen Steinschlag plötzlich Sand und Felsbrocken in allen Körnungen und Stückelungen in den Kurven liegen, macht sorgloses cruisen gleichermaßen unmöglich.
Mit zunehmender Höhe verändert sich die Landschaft. Die Natur wird rauer. Die Gegend ist noch weniger besiedelt, als das Tiefland.
Außerdem wurde es zunehmend kühler und schließlich richtig kalt.
Mit der Kälte und der Höhe kommen Alpakas und Lamas vermutlich am besten zurecht.
Lamas werden genau wie Rinder, Schweine und Hühner in der Region als beliebter Fleischlieferant hergenommen.
Genau! Hier sind sie:
Ab 3000 Meter über dem Meeresspiegel ließ das Wohlfühlmoment unseres Chinesenmobiles deutlich nach und die Kraft der 10 PS Kenton sank stetig. Somit mussten Anpassungen am Vergaser vorgenommen werden, da das Verbrennungsgemisch in der Höhe naturgemäß zu wenig Sauerstoff erhält.
Wir waren nach ein paar Tagen bereits deutlich über 4200 Meter hoch (Die Zugspitze hat 2950 Meter). Gemäß obiger Tabelle wurden aus unseren 10 PS demnach 5 PS. Nicht viel für 350 kg bergauf auf Schotterwegen im Hochgebirge. Der 2. und oftmals der 1. Gang wurden zum besten Freund. Kraft- und Saftlose Schleichfahrt, wie bei dem schönen Film "The Straight Story". Aber Langsamkeit im Leben hat ja auch was.
Das Abenteuer hat außerdem viele Gesichter abseits von Geschwindigkeit.
Einmal kamen wir hoch in den Anden, allein auf weiter Flur, bei ungefähr 4500 Metern in ein Hagelgewitter. Schmerzhaft. Innerhalb weniger Minuten war der Gebirgspass mit Hagel übersät. Kalt. Wir haben noch nie so nah und so krachend laut Gewitter erlebt. Faszinierend. Allerdings gab es keine Höhle und keinen Felsvorsprung, wo man sich auf schmaler Schotter-Fahrbahn ohne Leitplanken hätte unterstellen können. Grenzwertig. Ausgeliefert.
Vom Gewitter gibt es keine Fotos.
Geschlafen haben wir entweder in Ruinen, einem verlassenen Friedhofs-Häuschen zwischen Zementsäcken und abgeräumtem Plastik-Grabschmuck oder in Zelten an einsamen Orten.
Mit grüner Folie, Spanngurt und Wanderstöcken aus mitgeführtem Bestand konnte ich die offene Wetterseite des Friedhofs-Häuschens vor dem hereinbrechenden Regen halbwegs schützen. Dennoch mussten wir einen Kanal im Inneren graben, um das eindringende Wasser am Zelt vorbei zu leiten.
Feuer ist stets ein Gemütlichkeitsfaktor.
Selbstverständlich hatten wir das Häuschen aufgeräumter hinterlassen, als wir es vorfanden.
Ein nachteiliger Umstand, mit dem ich zu kämpfen habe, ist die Höhenkrankheit, die sich durch Schwindel, Übelkeit, Kurzatmigkeit und allgemeine Kraftlosigkeit unangenehm bemerkbar macht.
Als natürliches Gegenmittel gilt das Kauen von Kokablättern bzw. das Trinken von Koka-Tee.
So sehen sie aus. Ziemlich genau wie Lorbeerblätter. Legal für kleines Geld an jeder Ecke in den Städten zu kaufen. Kokablätter kauen oder als Tee konsumieren macht nicht süchtig und der beinhaltete Wirkstoff des Grundproduktes für Kokain ist nicht nennenswert.
Wegen meiner Höhenkrankheit bleiben wir einige Tage im hübschen Städtchen Tupiza. Hier wurden die berühmten Zugräuber Butch Cassidy und Sundance Kid vor 110 Jahren von der bolivianischen Armee erschossen. Man kennt vielleicht den gleichnamigen Western von 1969 mit Robert Redford und Paul Newman in den Hauptrollen.
Der nächste Bericht kommt also aus dem sympathischen Tupiza. Also alles gut soweit. Bis dahin - winke, winke!
(Aktuelle Lage von heute:
https://www.tagesschau.de/ausland/bolivien-proteste-unruhen-101.html



Sehr knteressant und bewundernswert. Ich wünsche euch weiterhin gutes Gelingen, Gottes Schutz und Segen.
AntwortenLöschenGruß Wolfgang
Danke lieber Wolfgang. Gruß an die Rhoihesse!
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