Dienstag, 18. Februar 2020

Ecuador

Dieser Blogeintrag kommt nach sechs Wochen Aufenthalt im neuen Lieblingsland von GEO in Südamerika, nämlich ECUADOR.

Was sind für mich die größten Unterschiede? Die Natur, verglichen mit anderen Ländern des Kontinents ist gleichermaßen wunderschön.

Ich empfinde Ecuador allerdings als deutlich gepflegter in dem Sinne, dass entscheidend weniger (Plastik-)Müll, z.B. am Straßenrand liegt. Besonders Peru war oft in abstoßender Weise unverhältnismäßig schmutzig, gerade wenn man die geringe Bevölkerungsdichte bedenkt. 


Der nächste positive Aspekt für mich ist, dass Ecuador, wie wir es kennengelernt haben, weit weniger laut ist. Keine (für meine deutschen Spießerohren) rücksichtslos dröhnenden, billigen Musikanlagen aus zahlreichen Gärten und Häusern. Für mich gilt, was bereits Wilhelm Busch treffend dichtete: "Musik wird störend oft empfunden, weil stets sie mit Geräusch verbunden!"
Auch die Restaurants werden in Ecuador üblicherweise nicht mit bunt-schrillen Latina-Shows aus den andernorts stets vorhandenen Flachbild-TVs beschallt.

Das hat offenbar etwas mit der Mentalität zu tun, denn die zahlreichen Apotheken, die wir nach Ohrstöpseln fragten, hielten selbige nicht vor (nichtmal in Lima). Der Einheimische hat also üblicherweise kein Problem mit lauten Geräuschen aus Lautsprechern in Südamerika. Nur diese pingeligen Deutschen und Holländer.

Auch das z.B. in Peru übliche und ständige Hupen im Straßenverkehr ohne konkreten Anlass, haben wir hier nicht erlebt. 

Überhaupt, ein zusätzlicher Pluspunkt für das ländliche Ecuador ist,  dass die Fahrweise weitaus gelassener und rücksichtsvoller, als in den anderen Ländern des Kontinents. Vielleicht sehen wir deshalb keine der in Bolivien und Peru üblichen, unzähligen Kreuze am Straßenrand.

Wie auch immer, bereits zu Beginn wurden wir vom Grenzbeamten oben im Foto nach Erledigung der Formalitäten zum ersten Mal bei einem Grenzübertritt mit den Worten Willkommen in Ecuador begrüßt. Freundlich.

Mini-Grenzdorf La Balsa (= das Floß) mit Schlagbaum. Übertritt am 9.1.2020.


Unscheinbare Zollabfertigungs-Stelle.
 
Zieh', Fremder!

Die Erfahrung mit José und Angel, den beiden Zollbeamten des Grenzpostens La Balsa, war ausgesprochen positiv. Sie haben ihre Revolver nicht gezogen und zurück geschossen. Ich habe sie auf den sofort spürbaren Unterschied in Mentalität und Aussehen der Menschen angesprochen. Wir sind Spanier, war Josés knappe Begründung. Vielleicht tatsächlich eine Frage der Identität. Sie fühlen sich mehr europäisch, in Bolivien mit 2/3 indigener Bevölkerung ist die Kultur jedenfalls deutlich exotischer und damit auch fremder.

José, links im Bild, ist auf Jahr und Monat so alt wie ich und wir hatten eine sehr entspannte Zeit. 


Etwa 90 Minuten dauerte die Zollabfertigung für die KENTON. Das lag daran, dass die Genehmigung für die Einreise des Mopeds von der Zollhauptstelle in Loja per Fax abgewartet werden musste. Der kleine, kaum frequentierte Grenzposten hat nur beschränkte Befugnisse.


Der erste Übernachtungsplatz in Ecuador:


Insgeamt vier freilaufende Pferde inklusive, davon eines im Foto.


Bald darauf ging es wieder durch Höhenlagen mit viel Regen, Nebel und Kalt. Die Temperaturunterschiede sind schon enorm. Von Einstellig zu 30 Grad und wieder zurück, wenn es sein muss innerhalb weniger Stunden,


Irgendwann kamen wir im sonnenbescheinten Tal im Städtchen Vilcabamba an. Hier entschieden wir uns, eine zeitlang zu bleiben. Vilcabamba, im spanischen Volksmund Vilca-Trampa (Vilca-Falle) und im englischen Volksmund Velcro-Bamba genannt. Velcro bedeutet Klettband in englisch. Was jeweils gemeint ist, dass wer nach Vilcabamba kommt, eben dort hängenbleibt. So auch mit uns über den Zeitraum von 3 Wochen geschehen.


Katholische Kirche und Stadtpark. Alles sehr ruhig und sauber. Von den 8000 Einwohnern, sollen rund 2000 US-Amerikaner und Europäer sein. Zudem viele junge Leute aus anderen südamerikanischen Staaten. Könnte nach unserer Beobachtung hinkommen. Meistens sind die Touristen und dauerhaft angesiedelten Fremden hier Alt-Hippies, Esoteriker, Permakultur-Farmer, Modeschmuck- und Heilkristallverkäufer, Joga-, Hare Krishna- und Hinduismus-Anhänger sowie Mutter-Erde-Verehrer. Ein kleines New-Age-Zentrum, in dem es aber auch ein paar "Normalos" gibt. Das Flair ist jedenfalls insgesamt sehr ruhig und freundlich. Wir kannten das Dorf nicht, aber in bestimmten Kreisen ist es eben weltberühmt.

Um meinen vorüergehenden Integrationswillen zu zeigen, nahm ich 4 Tage an einem spanisch Sprachkurs für insgesamt 11 Euro teil. Das Foto zeigt v.l.n.r. Philippe aus Frankreich, Don aus den USA, sowie einen amerikanischen Passanten:

Die 16 Jahre alte Lehrerin und in Personalunion Schülerin des örtlichen Gymnasiums, Jasmin, ursprünglich aus Kalifornien, wählte zum Einstieg einfache Diskussionsthemen für Philippe, Don und mich:

- Sollte Prostitution legalisiert werden?
- Tierversuche
- Todesstrafe, ja oder nein
- Euthanasie, ja oder nein

Im Gegensatz zu den Pulverfass-Themen, war die Pizza, die eine Italienerin aus der Toskana in ihrem kleinen Restaurant zubereitete, ein Hochgenuss. Bei ihr waren wir öfters zu Gast - wie auch Bill, 76, aus Oregon. Mehrfacher Dr.-Titel, bei NASA gearbeitet, Linguistiker, spricht mehrere Sprachen, u.a. Japanisch. Interessanter Mensch, mit dem ich mich oft unterhielt.


Sagte ich bereits, dass die Pizza ein Hochgenuss war?


Wen wir ebenfalls in der Pizzeria trafen, waren Don Oswaldo (82) und dessen Gattin Ximena. Ehedem höhergestellte equadorianische Persönlichkeiten. Sie Botschaftertochter, er war hoher Regierungsbeamter, wie wir auch anhand seiner Bilderwand mit allerlei Staatspräsidenten etc. sowie seinen Erzählungen entnehmen konnten.


Wir waren nämlich zum Frühstück auf einer ihrer Haciendas nahe Vilcabamba auf einem Hügel des Dorfes Malacatos eingeladen (sie haben eine weitere Hacienda in Loja sowie ein Haus in der Hauptstadt Quito). Im Foto die Hacienda Ceibobamba.


Herrschaftliche Reitgarnituren für erhabenes Reitvolk.

Oswaldo, der uns per Fahrzeug stolz seine Ländereien präsentierte, erzählte, wie seine verwitwete Mutter die Ländereien an ihn und seine 6 Brüder verteilte. 7 Zettel mit den bezeichneten Stücken Land wurden in Anwesenheit eines Notars in einen Hut geworfen. Jeder Sohn zieht einen Zettel, unterschreibt sofort beim Notar die Eigentumsurkunde für seinen Anteil und Ende der Diskussion. Erbschaftsstreitigkeiten ausgeschlossen. So easy!


Wir waren unterdessen in Vilcabamba in einem Hostel namens Valle Sagrada untergekommen. Riesiges Zimmer mit WC, Dusche, viel Licht, bei Starkregen Wasserfluss durch die Decke sowie 4 Betten.



Das war unser chilenischer Zimmernachbar und Dauergast für 2 Dollar/Tag, José, 62, der sich den Künstlernamen Massai gab. Massai meint nicht den kenianischen Stamm, sondern einen semi-berühmten Apachenkrieger - inspiriert durch den Western von 1954 mit Burt Lancaster.


Massais Leidenschaft sind abgesehen von Malerei und Fotografie, Indianer und Pferde. Auch sein 27 Jahre alter, penibelst gepflegter roter Pickup heißt folgerichtig Apache


Dies selbst gefertigte Werk bekamen wir als Andenken geschenkt:



Der makkellose Apache und die doch über die nunmehr 20.000 Südamerika-km in Mitleidenschaft gezogene Kenton freunden sich auch an.


Saubere Kabelführung im rechten Winkel in Vilcabamba:


Wir haben einige ausgedehnte Wanderungen um die Ortschaft durchgeführt. Sehr schön, die Gegend.


Fauna. Wandelnder Ast (Phobaeticus serratipes) und Schmetterlinge.


Steile Berge beim Wandern erklommen.


Insgesamt also sehr viel schöne Natur.




Flora.




Manche Teile der einheimischen Flora sind auch essbar, so wie diese Kaktusfrucht. Allerdings ohne Handschuhe nicht zu schälen. Wer es, wie ich (trotz besseren Wissens) dennoch versucht, wird mit tagelangem Pieksen der haarfeinen Stacheln in der Haut bestraft. Die Stacheln stecken beinahe unsichtbar 2-3 Tage in der Haut.


Ich alter Esel!


Dann doch lieber wieder fertiges Obst direkt vom Lkw.


Oder noch besser: eine gesunde 1/4 Erdbeere mit Mousse au Chocolat im Schokoladenmantel als Schmerzlinderung in einem Café in Vilcabamba


Juan, Rubia und "Bebé 10", Juan Pablo, die immer hilfsbereiten Betreuer des Valle Sagrada.



Abschied nicht nur von Juan und Familie, sondern auch von Massai.

Wer genau hinsieht, erkennt am Moped das Upgrade unserer Reiseausrüstung. 3 brandneue, leere 50 kg Reissäcke zu je 30 ct als Cover für die Rucksäcke lassen nunmehr keine Wünsche mehr hinsichtlich adäquaten Regenschutzes aufkommen.

Ausgetretener Trampelpfad in den Bergen für Lasttiere. 


Noch ein Weg: Bibel-Spanisch für Anfänger an alter Haustür: "Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben".


Weiter ging es auf dem schmalen Weg nach Loja, Zamora und Piuntza. Angesichts des starken Regens auf der Weiterreise hat es sich einmal mehr bezahlt gemacht, bereits in Peru neben den cellophanen Reissäcken auch ein Upgrade für die Strümpfe zu kaufen. Man beachte auch hier die farblich gefällige Ausgestaltung.


Übernachtung in 2600 m Höhe oberhalb von Loja in unschöner Lager-Bauruine. Nass und kühl.


 Triste Frühstücksumgebung.




Die Schönheit lauert erst jenseits der löchrigen Backsteinwände.



 Weg hier und weiter...





Im Städtchen Zamora angekommen, aßen wir die regionale Spezialität Bolones. Ein Gericht um einen gewichtigen Kloß mit allerlei Ingredenzien, einschließlich Banane und Käse.


Den Schutzmann, der uns zuvor am Ortseingang mit seinen Mannen kontrolliert hatte, trafen wir auch wieder. 
Dass wir gute Erfahrungen in Südamerika mit der Polizei machten, hatte ich schon mehrfach erwähnt. Sowohl in Paraguay, Bolivien, Chile, Peru und nun in Ecuador. Die Verabschiedung war schwierig. Der Mann erwartete eine gewiefte Hand-Faust Abschiedsgeste, wie man sie vielleicht aus der Bronx oder den Hinterhöfen von Los Angeles kennt. Derer war ich nicht mächtig und so ergab sich ein komisches Kuddelmuddel aus Fingern, Händen und Fäusten.


Nahe des Dorfes Piuntza fanden wir ein kleines Häuschen zur Miete, in dem wir eine gute Woche blieben. 5 Euro pro Tag incl. WLAN, Wasser, Strom- und Familienanschluss.

Das WLAN musste ich aber erst mit einem örtlichen Techniker, Javier, gangbar machen und hinterher unterschreiben. Auch die Antenne musste neu ausgerichtet werden. Der Eigentümer des Hauses wohnt im 100 km entfernen Loja.


Dann aber! Schön.



Unser super Häuschen, genannt der "Fünfte Spatz" für gut 5 € am Tag.




Blick aus der Haustür:





Dank obiger Küchenzeile, mit 1-Platten Heizspiral-Kocher, konnte Cindy immerhin sehr leckeres Brot sowie Bananenkuchen backen!


Von diesem Bananenkuchen bekam auch die demenzkranke, allein lebende Nachbarin, Señora Rosa ein Stück ab. Rosa war die Vor-Vorbesitzerin unseres Häuschens und meinte stets, ihr gehörten die gesamten umgebenden Ländereien hier noch. Das jedenfalls war das einzige, was sie beschäftigte und uns gegenüber kundtat.


Abendstimmung: Blick zum Häuschen und Richtung Dorf:


Gefährliche Wildnis. Ungiftige Raupe hing am Fenster.


Die Eltern des Cottage-Besitzers. Don Arturo und seine Frau Angelita (=Engelchen), die einen kleinen Lebensmittelladen im Dorf betreibt.

Die Bananen unten im Bild bekamen wir von Arturo,76, geschenkt. Ebenso eine frische Kakaofrucht, 100 Prozent echte, reine Kakaoschokolade aus eigener Herstellung und Kakaoeis - ebenfalls hausgemacht.





Es gibt gelben (teurer) und roten Kakao. 75 Cent für 1 kg, ungespritzten fertigen Pulvers. Nicht viel, was da für den Bauern hängenbleibt. Bei Amazon.de kostet das Kilogramm Bio-Kakaopulver 18 Euro.




Auf dem campo von Arturo, dereinst von seinem Vater angelegt, werde ich in die Geheimnisse des Kakao-, Bananen- und Zuckerrohranbaus eingeführt.


Angesichts von so viel Güte habe ich Arturo, wenigstens meine frisch geschärfte Machete aus brasilianischer Herstellung überlassen. Er meinte, sie sei ideal für das Hacken von Zuckerrohr. 


Bananen bekamen wir wie gesagt auch massenweise geschenkt.



Weitläufig wandern konnte man natürlich ebenfalls wieder. Arturo brachte uns mit dem Auto an eine lange, teils morsche Hängebrücke mit dem Hinweis vorsichtig zu sein. In der Tat war das Geländer teilweise weggefault und an einigen Stellen mit Bambusstäben ausgebessert. Die Holzschwellen waren abwechselnd wie die weiße Farbe eines Zebrastreifens mal da, mal nicht da. Zu recht war die Hängebrücke mit gelbem Flatterband "PELIGRO" (Gefahr) gekennzeichnet. Arturo wartete geduldig, bis wir über das schaukelige Etwas an das gegenüberliegende Flußufer gelangt und in den Dschungel eingetaucht waren.








Unterwegs gab es auch kleinere Brücken, bestehend aus einem Baumstamm:



Oder es gab keine Brücken. Man muss sagen, dass bereits die Fließgeschwindigkeit höchste Aufmerksamkeit erfordert. 











Groß und Klein beobachten uns:


Cindy immer auf der Suche nach einem schönen Foto:


Oft behindert durch beschwerliches Terrain:



Gefunden: Blattameisen bei der Arbeit:


Und nochmal Natur. Blick vom Häuschen.

Nach gut einer Woche fuhren wir weiter. Über 28 de Mayo sollte es durch ewigen Nebel auf sehr steilen Andenpfaden an die Küste gehen. Maps.me und google.maps zeigen diesen groben Schotterweg überhaupt nicht an. Er hört kurz nach 28 de Mayo auf - bloß eine sehr empfehlenswerte tschechische offline App namens Mapy.cz findet einen Weg. Don Arturo meinte, die Strecke sei nicht befahrbar. Viel zu steil. Starker Wind, Kälte und ewiger Nebel, der nachts zu Eis wird. Der Nebel sei so dicht, dass man keinen Meter weit sehen könnte.

Tja was tun? 130 km Umweg, zurück über Loja auf langweiligen Asphaltstraßen war keine verlockende Alternative. Also habe ich ein paar Leute gefragt. Keiner ist die Strecke je selbst gefahren, es könnte aber möglich sein. Patricio, einer der 6 Kinder von Arturo und Angelita kannte die Strecke von vor 4 Jahren, erinnert sich lückenhaft und meinte, es sei grundsätzlich möglich.


Patricio, 40, einer der Söhne von Arturo und Angelita vor deren Lebensmittellädchen. Ich genieße gefrorene Banane mit Schokoladenüberzug aus mütterlicher Herstellung.

Aus Angelitas Küche stammte auch ein feines Fischgericht, das uns Patricio am Vorabend unserer Abreise vorbeibrachte.


Nun ging also das Abenteuer über die Anden los. Wir wollten es nach sehr herzlichem Abschied vom Dorf Piuntza versuchen.



Am Anfang war erwartungsgemäß alles easy. Im letzten nennenswerten Ort auf den 100 km Andenüberquerung, nämlich dem bereits erwähnten Dorf 28 de Mayo gab es nochmal Pommes mit Hähnchen und ein Naturprogramm von National Geographic im TV, das zeigte, wie sich Bären, Jaguare und Co. gegenseitig zerfleischen.


Das Programm im Hinterkopf, war dieses gutgemeinte Schild in den Bergen über die Waldbewohner Tapir, Jaguar und Anden-Bär nicht völlig ermutigend.



In den Stunden unserer Weiterreise haben wir insgesamt 3 Fahrzeuge, aber keines der genannten Tiere gesehen.



Was wir hingegen sahen, war einmal mehr viel unberührte Natur.




In der Tat kam es ab einer gewissen Höhe zur klimatischen Besonderheit des ewigen Nebels.



Hier sah man noch etwas, später, war es aus mit der Sicht. Der dichte Nebel, also Luftfeuchtigkeit 100% bedeutet, dass es allzeit quasi Mikro-feine Tröpfchen "regnet". Alles durchnässt. Nicht nur das, sondern auch das Phänomen, dass der Motor der KENTON, ohnehin durch die Anden-Höhe auf ein lächerliches Mofa-Kraftmaß reduziert, nurmehr kaltes Wasser, statt Luft zur Vebrennung ansaugt. What a joke!

Die Baumwipfel waren durch den Dauernebel mit einem dichten Moosgeflecht bedeckt. Etwas gespenstischer Anblick. Man konnte es schlecht fotografieren, aber etwa so sah es aus:



Die steilen Anstiege zwangen Cindy zum höhenluftjapsenden Bergwandern und mich des öfteren zum Schieben des beladenen Fahrzeugs. Ich habe als Jugendlicher öfters mein Moped schieben müssen. Gehört ja irgendwie dazu. Aber einen 250 kg Koloss, der sich nicht mal mehr selbst mit eigener Motorkraft hochbugsieren konnte, war dann doch beinahe zuviel. Nach viel Quälerei, einschließlich der schleifenden Kupplung, drohte 5 km vor der Gipfelüberquerung das Aus.
Doch mit fast letzter Kraft aller Beteiligten wurde es geschafft. Der Gipfel! Von nunan ging's bergab..., um Hildegard Knef zu zitieren.


Auf der anderen Gebirgsseite dann wieder eine völlig neue Natur. Nach 10 Kilometern auch kein Nebel mehr, sondern abendlicher Sonnenschein. Krass.




Nach einer sehr anstrengenden Tagesreise ein Übernachtungsplatz in leerstehendem Haus.





Europäisch oder nordamerikanisch anmutende Modellbahnlandschaft. Ausblick von erwähntem Häuschen.



An den menschenleeren Tres Lagunas, wovon nur 2 im Bild erfasst sind. Lagunas heißen hier auch Süßwasserflächen. Also nicht indentisch mit dem deutschen Sprachgebrauch für das Wort "Lagune".



Die dritte der Tres Lagunas.






Weiterer Übernachtungsplatz 60 km vor der Großstadt Cuenca in einem weitläufigen Pinienwald. Keine besonderen Vorkommnisse, außer der Sichtung unzähliger Pilze.



... und ein paar weniger Blumen.




Vorbei an Cuenca und nach einer weiteren Nacht in den Bergen, waren wir dann auf der Küstenstraße in Richtung der 3,3 Millionenstadt Guayaquil unterwegs. Von neblig-kalt mit nass-frostigen Nächten auf schwül-feuchte 31 Grad nach ein paar Stunden Abfahrt von den Anden. Krass. Ecuador 3/4 der Fläche Deutschlands, jedoch nur 1/4 von dessen Einwohnern, gehört zu den landschaftlich und klimatisch abwechslungsreichsten Ländern der Erde. Das durften wir erfahren.


Nun gut, Städte meiden wir - sind nichts für uns, von daher gibt es auch von da nicht viel zu berichten. Außer, dass es auch alte Autos auf der Straße gibt, ...


... die manchmal von deutschen Gringos angeschoben werden müssen (ich war es ja von der Kenton gewohnt):

Abschiedsfotos also von Guayaquil, dem vorübergehenden Ende unserer Südamerika-Reise. Hier waren wir in der Eigentumswohnung von Ernesto, einem mexikanischen Hafeningenieur untergekommen. Im mehrfach bewachten und schrankengesicherten Stadtteil Porto Azul werden die vornehmlich wohlhabenden Bewohner zwar nicht überfallen, aber dafür kommt bei den 6 Meter hohen Einfriedungsmauern, mehrfachen Schranken und Sicherheitskontrollen ein gewisses Ghetto-Feeling auf. Wachtturm inklusive.

Die Häuser in dieser Gegend sind oftmals architektonisch ausgefallene Millionenobjekte und die Palmen in Hausfarbe gestrichen. 


Einen See bzw. eine Meereslagune mit Krokodilen gibt es auch.


Wir haben allerdings nur einen kleinen Verwandten in der Kategorie um 1 Meter Länge gesehen. Bzw. zwei.
 
Es gibt auch einige moderne Wohnblocks wie die von Ernestos 100.000 Dollar Neubauwohnung, wo wir wohnten:


Hier konnte Cindy mal wieder richtig kochen und backen.


In diesem Sinne, mit den besten Grüßen auch von Ernesto,45, dem freundlichen Hafeningenieur!


Tschüss aus Ecuador! Bis bald aus den USA.


Nachtrag:
Die KENTON habe ich  Patricio aus Piuntza geschenkt. Er kann sie auch ohne Zulassung auf heimischen Feldern nutzten.
Patricio kam am 18.2.20 mit dem Nachtbus (10 Stunden) aus Zamora angereist und ich habe ihn dann hier in Guayaquil in der Stadt abgeholt.

Das Motorrad wurde später auf einen Lkw verladen und tritt morgen für 50 Dollar die Reise zu Patricios Heim an. Patricio fährt für 9 Dollar wieder mit dem Bus zurück.

Das paraguayische Kennzeichen 720 BRU bewahren wir uns als Andenken auf. Die legendäre KENTON Dakar 150 mit ihren gewaltigen 10 PS war uns nach mehr als 20.000 oft strapaziösen Südamerika-Kilometern doch sehr ans Herz gewachsen. Solch ein robustes Fahrzeug! Mit Wehmut lassen wir den extrem treuen Gefährten zurück.


Nachtrag zum Nachtrag:
Auf dem Weg zum internationalen Flughafen Guayaquil sprachen wir mit dem bibellesenden Taxifahrer Ortega Washington. Wir hatten ihn sofort lieb gewonnen. Vom verheirateten Vater zweier studierender Töchter erfuhren wir, dass er 7 Tage die Woche arbeitet. Täglich von 05.00 Uhr morgens bis 23.00 Uhr nachts. Welch Strapaze in diesem Verkehr - abgesehen davon, dass der Verdienst spärlich ist. Manch' Brötchen wird wahrlich sehr hart verdient.

Ein letzter Blick auf Guayaquil, Ecuador vom Flug mit der Spirit Air über Ft. Lauderdale nach Atlanta, Georgia.


1 Kommentar:

  1. Sehr sehr schöne Streckenbeschreibung. Und spannend wie immer. Mit ein bisschen Wehmut versteht man bei dem Abschied von der Kenton, dass diese Art von Abenteuerbericht wohl nicht mehr weiter geht. Danke für Eure klasse Fotos und dem einfühlsamen Bericht der Menschen & Kultur.

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