Samstag, 23. Dezember 2017

Mennonitenstadt Filadelfia.

Am gestrigen Freitag waren wir in Filadelfia. Das Monument auf dem Foto am Ortseingang, symbolisiert das Leben und Zusammenwachsen mit dem Kreuz in der Mitte. 

Elli hat hier in der Stadt einmal in der Woche vormittags eine Stelle zum Staubwischen für zwei Stunden bei einer pensionierten Lehrerin. Man kann so reinlich sein, wie man möchte, doch man wird dem Wild-West-Staub in Filafelfia nicht Herr. Also hilft Elli der alten Dame und verdient ein kleines Zubrot für die Familie. Diesen Tag nutzen dann auch Andreas und Alan für Erledigungen und Einkäufe in der Stadt.


Beschriftung in diesem Supermarkt hauptsächlich in deutsch. Spanisch ist hier zweit- oder Drittsprache (nach Plautdietsch, Hochdeutsch und für die indigene Bevölkerung z.B. Guarani).

Die Mennonitenkolonie Fernheim im Chaco, deren Hauptort Filadelfia (zugleich die Hauptstadt des Bundeslandes Boqueron) ist, wurde 1930 bis 1932 von russlanddeutschen Mennoniten in beinahe menschenleerer Umgebung gegründet.

Eine Buchseite zeigt die aktuelle Demografie Paraguays. Demnach leben derzeit auf 60% der Landesfläche (Chaco) lediglich 3% der Gesamtbevölkerung:



In diesem Teil des Chaco, in dem ich mich befinde, gibt es immerhin noch nennenswerte Ansiedlungen und Infrastruktur. Je weiter man nach Norden Richtung Bolivien gelangt, in das reichhaltige Nichts, um so eindrücklicher wird das o.a. Bild über die Demografie und umso mehr versteht man, warum der Chaco-Krieg in Bolivien der "dumme Krieg" genannt wird. Der verlustreiche Kampf ums Nichts.

Jedenfalls, in Filafelfia mit seinen 17.000 Einwohnern, davon 3000 Mennoniten, gibt es Schulen, Krankenhaus, Seniorenheim, Friedhof, Supermärkte, Spezialgeschäfte, Tankstellen und was man sonst zum Leben braucht.  
Auch ein Postamt ist vorhanden. Und weil hier alles so schön Deutsch ist, hatte ich kein Problem, mit einem Schirm durch den Regen dieses wenig aufregenden Städtchens zu schlendern.

 



Manch ein Farmer der Kolonie Fernheim hat weite Wege zu seinem Briefkasten in Filafelfia zurückzulegen. Kein Postauto fährt in die entlegenen Bereiche.


Ich habe unter anderem verschiedene Museen der Mennoniten besucht.

Im ersten Museum, dem Industriemuseum, traf ich auf Helmut Klassen. Er ist 64 Jahre alt und hat jahrzehntelang bis 2005 an einer Baumwollentkernungsmaschine als Maschinenführer gearbeitet (Bis zu diesem Moment wusste ich nicht einmal, dass Baumwolle überhaupt Kerne hat. Die Kerne wurden zu Viehfutter weiter verarbeitet). 


Als die Baumwollproduktion unter 600t/Jahr zurück ging, wurden die Maschinen unrentabel und die Verarbeitung wurde 2005 eingestellt. Seit dem betreut Helmut das Technische Museum, das er wesentlich mit aufgebaut hat. Ich war lange Zeit der einzige Besucher und so bekam ich allen Enthusiasmus des Mannes zu spüren, der vom Aufbau der riesigen Baumwollentkernungsmaschine aus Dallas/Texas bis zu den durch ihn ausgestopften Tieren, wie dem Zugochsen, sein Leben und sein Herzblut in diese Sache investiert hat. Helmut lebt und liebt dieses Museum und ist ein Teil der Geschichten, die er weitergibt.


Dieser Dampfkessel aus deutscher Herstellung von 1925 wurde 1931 mit dem Schiff nach Paraguay gebracht und dann in den unbewohnten (abgesehen von wenigen indigenen Menschen) Chaco gekarrt. Welch Quälerei.


Ebenso auch andere Dampfkessel größerer Bauart, wie der auf dem Foto unten.


Es gab u.a. auch eine große Erdnusspressmaschine zur Ölgewinnung.

Nachstehend eine Rekonstruktion eines frühen Hauses im Chaco. Fensterglas gab es nicht, nur Holzstecken, um größere Tiere fernzuhalten. Viele aus der ersten Mennonitengeneration  fielen den harschen Bedingungen im Chaco zum Opfer.


Der Vater von Helmut, ehemaliger Soldat der Roten Armee, kam nach Kriegsende über Deutschland 1947 nach Paraguay. Helmuts Mutter gelangte über die bekannte Chinaroute von Russland über China, Indien und Le Havre in Frankreich mit dem Schiff nach Paraguay. Ohne Google, Expedia oder Reisebüro. Ich staune. Die Familiengeschichten der Mennoniten sind oftmals atemberaubend spannend. In jeder Erzählung klingen hartes Leben, Durchhaltevermögen, Disziplin und ihr starker Gottesglaube durch, der sie durch Verfolgung und lebensfeindliche Umgebung getragen hat. Auch Helmut war heute zu Tränen gerührt, als er die Geschehnisse um ihn und seine Eltern weitergab.  



Er war auch schon mal in Deutschland. Auf Familienbesuch für "Eins-Einhaleb Wochen". 

Die Sprache der Mennoniten, wenn sie Hochdeutsch sprechen, unterscheidet sich deutlich vom Hochdeutschen in Deutschland. Wie auch bei anderen Sprechern, die außerhalb Deutschlands die deutsche Sprache pflegen, wie etwa die Siebenbürger Sachsen in Rumänien.
Abgesehen von der Aussprache, werden auch bekannte Worte oft anders verwendet. Wenn man Wände streicht, bezeichnet man das hier nicht als Streichen, Anlegen oder Weiße(l)n, sondern als "Färben". Der "Schmirgelapparat" bezeichnet, wie ich nach einigem Rätselraten herausfand, einen Winkelschleifer (in Südhessen "Flex" oder "Schleifhex'" genannt). 

Das kann zu Missverständnissen führen und so bin ich bemüht, einfach und verständlich zu sprechen. Die Mennoniten hier sprechen untereinander vornehmlich Plautdietsch, was nicht mit Plattdeutsch zu verwechseln ist. Plautdietsch hat seinen Ursprung im heutigen Polen genommen und wenn man genau hinhört, kann man dennoch das eine oder andere verstehen. Aber es ist doch ein entfernter Dialekt.

Helmut ist 1953 in Paraguay geboren, er weiß um seine Wurzeln, aber er empfindet sich als 100% Paraguayer. Von Victor in Asunción weiß ich hingegen, dass die Mennoniten auch der zweiten und dritten Generation als "Deutsche" gesehen werden. Sie haben "blonde Haare, blaue Augen, eigene Bräuche, Geld und ihre eigene Religion". Die Religion ist eben protestantisches Christentum, das auf die biblische Glaubenstaufe und Pazifismus Wert legt. Daher wurden sie schon um 1520 zur Zeit Martin Luthers und mit dessen Unterstützung im Namen der Kirche verfolgt und durch die Reichsfürsten in Deutschland ohne Gerichtsprozess ersäuft oder verbrannt.


In einem anderen Museum, dem Heimatmuseum, erläutert Herr Boschmann die vielen Exponate.


Z.B. diese Fruchtpresse, die wie ein Fleischwolf aussieht. Die wurde aus dem Messing von Patronenhülsen gefertigt, die aus dem Chaco-Krieg 1932-1935 übrigblieben. Ein kleiner Vorgeschmack auf biblische Prophetie:

Jesaja 2:4: "Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen."


Der Chaco-Krieg zwischen Bolivien und Paraguay versetzte die pazifistischen Mennoniten, kaum waren sie aus Russland geflohen, im Chaco sofort in ein Dilemma. Die kämpften nicht selbst an der Waffe für Paraguay, sondern unterstützten die Truppen vor Ort, etwa durch Nahrungsmittel.


Es gibt eine große Nähe und Dankbarkeit zu Deutschland. Die Regierung unter Reichspräsident v. Hindenburg gewährte vielen Mennoniten Asyl bis zu ihrer Ausreise. Daher heißt die Hauptstraße in Filafelfia auch Hindenburg-Allee. Ich habe Herrn Boschmann wegen Nazitums gefragt. Unter den deutschstämmigen Mennoniten gab es durchaus auch Sympathisanten für Hitler. Einige hatten von einer Heimkehr nach Deutschland geträumt. Als dann die Verfolgung von Juden und anderer Minderheiten in Deutschland bekannt wurde, hätte es mehrheitlich eine Abkehr von der Ideologie des 3. Reichs gegeben.


Die "Ursachen für die Flucht" die oben auf dem Plakat geschrieben stehen, bewegen auch heutzutage den einen oder anderen zur Ausreise, der hat kein Mennonit in Deutschland ist. 

Eine der vielen Gruppen, die vorübergehend in Deutschland aufgenommen wurden.

Mitgebrachte Bibeln

Soweit zu diesem Ausflug. Die Heimreise war von banger Ungewissheit begleitet, ob wir es nach dem Regen schaffen würden, auf der Staub/Schlamm/Lehm/Glitschpiste nach Hause zu kommen. In der Tat war es glatt. Andreas musste gutes fahrerisches Können aufbieten, um in Walter Röhrl Manier durch ständiges Gegenlenken den Van halbwegs in der Straßenmitte zu halten.

Das sieht unbedenklich aus, ist es aber nicht.

Nach Rückkehr zu Iparoma ging alles wieder seinen gewohnten Gang. Elli backte Brot (hört über lautsprecherverstärkten YouTube Kanal den ehemaligen holländischen Kinderstar der 60er, Heintje. Mama, Heidschi Bumbeidschi und  andere Evergreens erfüllen die Küche. Hier hat das einen gewissen Charme. Andreas sortiert derweil mit  Engelsgeduld Weintrauben (bis es ihm mit der Musik dann doch etwas zu viel wird und er sich zu Wort meldet) ...



... und der Herr Dozent präsentiert sich derweil ausnahmsweise in seinem Universitäts-Outfit. Mit Bildungsbürger-Fliege und Emblem der Universität, die seinem Namen gewidmet ist.
APF Paraguay. (Alan, Professor für Farm-/Forstwesen)



So neigt sich wieder ein Tag dem Ende zu. Shabbat Shalom von Iparoma, Gran Chaco.


Donnerstag, 21. Dezember 2017

Umzug ins "Tiny House". Leben und Tod auf Iparoma. Pumas!


Heute bin ich in eines der beiden Zimmer des gebrauchten roten Häuschens eingezogen, das letzte Woche angeliefert wurde.




Jetzt heißt es naturnah wohnen, denn es gibt keine Fensterscheiben. Lediglich Fliegengitter und Klappläden. Alle Geräusche kommen 1:1 von außen an. Schön! (Meistens). Habe es mit dem Nötigsten eingerichtet, Kleiderhaken angebracht und nun bin ich der erste Bewohner dieses Kleinst-Anwesens auf der Farm.
Klimaanlage wurde bereits gestern von Elektromeister Kentscho installiert und somit mangelt es nicht an Komfort in der 3x3-Meter-Nut-und-Feder-Holz-Bude mit Energiesparlampen-Deckenlicht.

Da lässt es sich gut leben (mit Ohrenstöpseln wegen des Froschkonzertes - kaum hatte ich mich an die Hahnenschreie in Asunción gewöhnt).

Nicht mehr gut leben hingegen einige Schafe. Sie wurden jäh ihres irdischen Daseins beraubt und nun liegen sie fein säuberlich zu gewichtsgleichen Anteilen in Plastiktüten portioniert in der Kühltruhe (ähnlich tragisch, wie das Ende von Max und Moritz, finde ich). Gerade eben liefen sie doch noch weidegrasend umher!? Der Tod entpuppte sich einmal mehr als ganz, ganz finsterer und heimtückischer Geselle! Allemal aus Perspektive der freundlichen Wollspender.





Der Besitzer der Estancia, Gerhard Wohlgemuth, zeigt zweien seiner erwachsenen Söhne, Daniel und Nathanael die richtige Technik beim Zerlegen der Tiere.

Naturnähe auf dem Bauernhof heißt auch, Realitäten anzuerkennen. Etwa die, die Gerhard heute beim Mittagessen zum Besten gab. Er beschrieb die durch die Viehzüchter empfundene Überpopulation von Pumas. Deshalb würden sie auch abgeknipst, wo immer sie auftauchen. Ein Pumafell liegt bei Gerhard auch vorm Bett (und riecht bei feuchter Witterung), erzählte er.

Nicht jedem Fell ist es indes vergönnt, die Ausstiegsstelle eines Ehebettes zu zieren und damit den ehemaligen Fellträger, sozusagen posthum zu Ehren zu bringen. Manchmal geht es profaner, aber letztlich irgendwie nützlicher zu. So fungiert dieses Kuhfell beispielsweise als maßgeschneidertes Traktordach. Darauf muss man erst einmal kommen. Aller Ehren wert (der Kuh und dem Erfinder).



Nochmal zum Thema Kuh:
Eine schwarze Kuh war trächtig und die Kalbung seit Tagen überfällig. Das Muttertier lag heute früh mit geplatzter Fruchtblase auf der Weide. Das Gerücht ging um, dass das neugeborene Kalb von einem Puma gerissen wurde. Jedenfalls führte auch die mehrstündige Suche nach dem Neugeborenen auf der weitläufigen Weide zu keinen brauchbaren Erkenntnissen über den Verbleib des Kalbs.



Der Tierarzt aus Filadelfia wurde gerufen und erschien mit seiner Assistentin, einer Schülerin im Ferienjob.


Streng genommen erschien der Tierarzt Luis Miguel de la Vera (er promoviert in 3 Jahren), erstmal gar nicht, sondern steckte wegen des Regens und der daraus resultierenden Schmierseifenpiste fest. Ohne Allradantrieb kann man bei starken Regenfällen ruhig die Autoschlüssel verlieren. Man fährt sowieso nirgends hin. Im Falle des hilfswilligen Tierarztes musste nunmehr der Kuhfell-Traktor geholt werden, um das Fahrzeug wieder in Fahrbereitschaft zu versetzen. Der Tierarzt erzählte, dass auf den breiten Schmierseifenpisten die großen Viehtransporter aus Besorgnis, seitlich in den Graben zu rutschen, in der Straßenmitte stünden und warteten, bis die Straße wieder trocken ist. Das wäre der einzig sichere Platz. Passieren anderer Fahrzeuge sei dann nicht möglich. Man hängt als Straßennutzer dann demnach ebenfalls fest. Die Lkw-Fahrer rechnen immer mit diesen plötzlichen Starkregen und haben daher stets ausreichend Proviant und Wasser für mehrere Tage an Bord.

So regnete es heute. Was da vom Himmel kommt, hat sich den Namen "Regen" unbedingt verdient. Bin mit dem kleinen Farm-Professor barfuß in Regen unterwegs gewesen, um Trinkwasser zu holen. Man kann entweder bewusst schlittern, wie auf einer Eisbahn (oder sich die Knochen beim bloßen Gehen brechen. Nie mehr sage ich irgendetwas über die mangelhafte Gehwegsbeschaffung in Asunción!)




Dann, nach nachlassendem Regen, ging es an der Geburtshelfer-Front los. Mit Lasso durch den Vorarbeiter eingefangen und dann mit raffinierter Strick- und Knotentechnik um den Leib geschnürt, wurde die Mutterkuh sanft auf den Boden gebracht. Ich staune, wie man ein 600kg-Tier mir der richtigen Technik ohne Aufhebens auf die Seite legen kann. Wer sich das ausgedacht hat? Genial.




Ein beherzter Griff des Tierarztes mit Gummihandschuhen bis fast an dessen Ohren und es stand fest, dass sich das Kalb noch in Mutterleib befindet und es außerdem noch lebt. Einstimmiges Urteil an dieser Stelle: Freispruch für den Puma von allen Anklagepunkten!


Nun kam es zur Geburtshilfe.

Dem Noch-nicht-ganz-Neugeborenen wurden die Vorderläufe im Mutterschoß per Seilschlinge zusammengebunden und mit einer Ratschenkonstruktion das Kalb Stück für Stück an diesem Strick herausgezogen. Noch ein paar Aufbauspritzen sowie blutstillende- und Antibiotikainjektionen für das Muttertier und nach etwa 30 Minuten war das Spektakel zu Ende. Die Mutter leckte ihr Baby sauber, Zeichen, dass sie es angenommen hat. Kurz darauf sorgte sie noch dafür, dass sich umherstehende Menschen vom Kalb entfernen. Der Beschützerinstinkt der Mutter wurde aktiv. Kurz darauf stand das kleine, zarte, neue Leben bereits auf eigenen Beinen.








Bald wird es auch zur Herde gehören und sich ganz traditionell vom Gaucho mit schnalzender Peitsche treiben lassen.


Oder auch weniger traditionell mit dem Moped (Aufnahme von Bärbel).


Egal. Hauptsache, die Lebensjahre werden am Ende weder jäh durch Puma, Bettvorleger, Traktordach oder Kühltruhe begrenzt. Doch ich fürchte, das zu hoffen, ist realitätsfern.


Gleichauf mit dem Helden des Alltags, Busfahrer Alfredo aus Asunción, liegt nun ab heute der Tierarzt Luis Miguel de la Vera aus Filafelfia! Profi.




Dienstag, 19. Dezember 2017

Jeden Tag etwas Neues lernen

Paraguay gilt nach der Gallup-Studie als das Land mit den glücklichsten Menschen. Siehe z.B. hier: Umfrageergebnis

Fragen lauten unter anderem: "Haben Sie gestern viel gelacht, wurden Sie respektiert, haben Sie etwas gelernt."
Ich kann zu allen Fragen täglich neu "ja" sagen.

Auf der Estancia gab es ein Problem mit der Elektrik. Es erschien Elektriker Kentscho mit seinem Mitarbeiter. Den Guarani Kentscho fragte ich nach der Erdung bei Elektroanlagen.


Kentscho (rechts) mit Mitarbeiter.

Er erklärte mir, was typisch für das Land zu sein scheint. Nämlich, dass es klare Bestimmungen für die Elektrik in Häusern gibt, sich allerdings kaum daran gehalten wird. Namentlich kennt man auch in Paraguay einen dritten Draht für die "Erdung".
Das war in Asunción nicht anders.



Ein hier üblicher Duschkopf. Er funktioniert wie ein Tauchsieder. Es soll eine Art FI-Schutzschalter geben. Wie das funktioniert, verstand ich nicht. Dazu ist mein Spanisch zu schlecht. Aber mit 2 Leitungen? Hmmmm.

Außerdem lernte ich von Kentscho, warum das Wasser im Chaco tendenziell salzig ist oder sein kann. Es hängt offenbar mit den ausgetrockneten Salzseen im benachbarten Bolivien zusammen. Salar de Uyuni

Hier auf der Farm ist das Wasser aber nicht salzig. Es gibt eine eigene Trinkwasserzisterne, aus der morgens das Wasser für den Tagesbedarf geschöpft wird.

Derzeit hole ich das Wasser, das mit einem Eimer aus der Zisterne hochgezogen wird. Sobald Kentscho die Hauptleitung repariert hat, kann man wieder an der elektrischen Pumpe zapfen.



In der Zisterne wurde auch der eine oder andere Frosch gesichtet. Vielleicht einer, wie dieser hier?


Mir ehrlich gesagt, egal. Solange keine toten Mäuse drin schwimmen, ist alles gut. (Aber auch diese wasservergiftende Gefahr scheint nicht völlig abwegig).


Alan ist wie eine Katze. Bringt ständig Getiers an 😀


Wie Elli. Die bringt auch ständig was an. Vornehmlich das mit Cindy zubereitete leckere Essen.

Bärbel hat derweil den angestauten Müll von Wochen verbrannt. Müllabfuhr gibt es nicht hier im Kracher. Es gibt zwar eine entfernte Mülldeponie und Andreas würde den Abfall dort gerne entsorgen, aber man entledigt sich des Mülls gemäß den Vorstellungen der Betriebsleitung weiterhin auf traditionelle Weise. Feuer, und dann ab mit dem Rest ins ausgehobene Erdloch. Da graust es wohl dem Umweltschützer, aber mir scheint, so manche moderne Strömung westlichen Denkens (allen voran dieses Monster namens "Political Correctness" ist nicht überall hin vorgedrungen. Mir persönlich ist das sehr recht so, auch wenn ich meinen Plastikabfall nicht unbedingt verbrennen würde.

Heute kam auch Nathanael, jüngster Sohn des Chef-Ehepaars Gerhard und Marylin mit auf die Farm. Der 21-jährige studiert Agrarwirtschaft und Viehzucht hier in Filafelfia. Aus Paraguay will er nicht weg. Seine Mutter Marylin war ein Jahr in Kansas/USA und man kennt Deutschland, aber hier sei es doch am schönsten.

Nathanael rechts im Bild mit Gabriel, der von Marylin betreut wird und Alan beim Billard nach dem Essen.

Ich habe heute zudem noch gelernt, dass es eine Zeit vor Silikonkartuschen gab. Hier gibt es diese Zeit immer noch. Acryl wird nach Großväter Sitte mit dem Plastiktüten-Trichter in die Ritzen gespritzt. So muss sich die Generation der "Digital Natives" fühlen, wenn man ihnen von Wählscheibentelefonen, LP's und Musikcassetten erzählt.


Die weit- und vielgereiste Bärbel, eine ausgesprochene  Kennerin von  Natur, Pflanzen und Tieren, hat, wie sie sagt, mancherorts den Spitznamen "Ziegen-Bärbel". Ich erahne den Grund dafür.