Montag, 30. Dezember 2019

Anden-Hochgebirge und Abfahrt in den Regenwald, Peru

Nachdem wir Lima und die peruanische Pazifikküste verlassen hatten, lautete das Ziel "La Selva", also der Regenwald im Osten des Landes, das 3,5-mal größer, als Deutschland ist.

Hierzu mussten (für mich und die KENTON: leider) zunächst die Anden erneut erklommen und überwunden werden. Cindy mag das kahle, wüstenhafte und fast menschenleere Hochgebirge deutlich mehr als ich. Tatsächlich ist es ihre Lieblingslandschaft!

Hinauf also, auf die in Küstennähe zunächst noch einladend lieblich grünen Berge.


Nachfolgend ein Blick auf das knapp 3000 m hoch gelegene  Städtchen Canta mit 2500 Seelen, das wir nach 4 Stunden Fahrt erreichten.


Bald nach Canta flüchteten wir vor einsetzendem, sintflutartigen Regen. Gewitter bzw. Starkregen im Gebirge sorgt regelmäßig für Steinschlag von den steilen Hängen, über die Ufer tretende Flüsse sowie Muren/Murgang.

Wir schafften es gerade noch in ein überdachtes Restaurant am Straßenrand (das einzige, mit 5 weiteren, gleichartigen auf weiter Flur), als es richtig losging.


Das Flüsschen hinter der Reihe von Straßenrestaurants, wo wir aßen, wurde vor unseren Augen schlammbraun und schwoll bedrohlich bis fast an die Unterkante der Restaurant-Hütten an.

Nach Verzehr von trucha frita, also gegrillter Forelle, ging es nach 2 Stunden Wartezeit guten Mutes mit der Freude, dem Unwetter ein Schnippchen geschlagen zu haben, weiter.

5 Minuten lang, ...dann war bereits wieder Ende.


Die Asphaltstraße war ein paar hundert Meter lang bis hüfthoch mit weichem Geröllschlamm bedeckt. Absolut kein Durchkommen! 


Außer für die jungen Männer, die sich von der gegenüberliegenden Seite zu uns zu Fuß durch Schlamm und Steinbrocken durchgeschlagen hatten.

Für uns hieß das also entweder 5 Stunden zurück nach Lima fahren und die einzige Alternativroute wählen, oder das machen, was in Südamerika zu einer Grundtugend gehört: Warten.

Nach Gespräch mit anderen, bekamen wir Hoffnung, dass die Straße vielleicht am nächsten Tage geräumt werden würde. Allerdings berichteten die Einheimischen auch davon, dass im weiteren Streckenverlauf 2 weitere Sperrungen wegen ähnlicher Muren vorhanden seien.

Also 20 Minuten zurück nach Canta, für eine Nacht in ein schmuckloses hospedaje zu 9€ das Doppelzimmer mit eigener Dusche.


Malerische Szenerie neben unserer Unterkunft in Canta. Angebundener Muli.


Am Folgetag konnten wir tatsächlich die erste Schadensstelle passieren, an der zweiten war dann Warten angesagt. Mit dem Radlader war man gerade beschäftigt, den Matsch zu entfernen, um eine Fahrschneise zu schaffen. Nach weniger als einer Stunde ging's auch durch diese Stelle und durch die Nächste. 


Weiter also hinauf und auch durch teilweise bedrohlich tiefe, forellenbesetzte Bäche und Flüsse. Da habe ich manches Mal die Luft angehalten. Bei unterem Foto war es knapp und ich wäre beinahe im Fluss abgeschmiert. Im eiskalten Wasser zu enden, wäre das Letzte gewesen, was ich mir erträumt hätte. Füße waren wegen Flussdurchquerungen ohnehin dauernd nass und kalt, die Hände wegen lediglich Stoffhandschuhe ebenfalls.


Dann weiter bis 4000 m sehr steil bergan; wir mussten das Fahrzeug gar einmal etwas schieben. Vorbei an diesem einsamen und freundlichen Hundchen.


Wir passierten viele herrliche Gebirgsseen.

In der Höhe wurde es zunehmend kühler und schließlich jenseits der Baumgrenze und in Schneelagen gefühlt bitterkalt. 

In dieser Höhe hat der Körper kein Durstgefühl, dennoch muss man sich zwingen, extra viel zu trinken.


Wenigstens gab es einmal auf dem Weg eine kleine Hütte am Wegesrand, in der wir einen Tee zu uns nehmen konnten.

Bei fast 5000 Metern ohne längere Anpassung an die Höhe, konnte mich die eigentlich spektakuläre Landschaft kaum erfreuen. Später Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Frieren und allgemeine Schwäche setzen mir erheblich zu. Höhenkrankheit ist unangenehm. Ich hatte aber auch keine Lust, meinen Körper tagelang langsam an die Höhe zu gewöhnen. Ich wollte nur schnell übern Berg und weg hier!

Nebel, Regen, nass, kalt. Bäh! Nichts für mich - und doch noch mindestens 1 Tag hier oben rumgurken. Durchbeißen.


Ich kürze ab: nach einer fast schlaflosen, minus 1 Grad, Regen, Durchfall und letzten Erbrechens-Nacht auf 4750 Meter, ging es dann bei Cerro de Pasco, der Minenhauptstadt Perus wieder mit der Straße begab, aber mit meinem Wohlbefinden umgekehrt proportional schnell bergauf! Erstaunlich, der menschliche Körper.

Und dann irgendwann. Endlich. Grün! Sauerstoffhaltige Atemluft! Wärme! La Selva!

Mehr aus dem Regenwald dann beim nächsten Mal. (Puuh. Mir wurde beim Schreiben dieses Blogpost tatsächlich wieder schlecht, als die Erinnerungen an meine Höhenerlebnisse hochkamen.)


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