Im Chaco fahren auch Busse, aber nur wenige und zu entfernten Destinationen zu oftmals ungünstigen Zeiten. Vorher muss man separat in die Stadt fahren und ein Busticket für eine konkrete Reise buchen und bezahlen. Wie eine Flugreise. Oder man kann sich in Filafelfia natürlich auch ein Taxi nehmen.
In Filafelfia am Taxistand alle 8 Fahrzeuge mit Allradantrieb.
Aus gutem Grund.
Waschstraßen sind in Filafelfia auf Rampen erhöht und die Reinigung, auch des Unterbodens, von großen und kleinen Fahrzeugen erfolgt von Hand bzw. mit Hochdruckreiniger.
Was mein Fortbewegungsmittel anbelangt, so habe ich Andreas zunächst sein
Fahrrad dankend nebst des weißen Schlauches zurückgegeben und für mich ein anderes Gefährt auserkoren. Ein 150er Moped. Kenton Dakar mit 10 PS. Firma Kenton, wie auch andere Zweiräder aus dem Billigsektor (Taiga Leopard, Genesis, Star) kommen aus China, die in Paraguay endmontiert werden.
Gebrauchtfahrzeuge gibt es kaum und was ich in Asunción und in Filafelfia in den vergangenen Wochen sah, war in desolatem Zustand bzw. unverhältnismäßig teuer.
Also doch Neukauf und zwar bei der Kette Chacomer, die auch Waschmaschinen, Fitnessgeräte, Musikanlagen und Ventilatoren im Sortiment haben. Wie damals mein Garelli Mofa, dass ich 1977 für ungefähr 300 Deutsche Mark bei Neckermann erwarb. Das Teil war auch robust und machte nach den entsprechenden Umbauten viel Spaß. Wie auch die ganzen"Wolfcraft"-Werkzeuge von Neckermann. Da habe ich heute noch Zangen und anderes Werkzeug. Nach 40 Jahren.
Das schreibe ich jetzt vermutlich zu meiner eigenen Beruhigung.
Nun also wieder ein Gefährt, gekauft bei Motorrad Wiens in Filafelfia, konkret beim 29-jährigen Juniorchef Norman Wiens, der Paraguayer und Deutscher ist. 4 Jahre in Regensburg lebte und genau so, nämlich in tiefstem "boirisch redt"!
Norman Wiens mit Sohn Ian Jacob.
6000 km bzw. halbes Jahr Garantie auf den Motor. 500er und 1500er Inspektion ist frei. Mit einem Coupon kann ich in ganz Paraguay, wo diese Marke vertreten ist, die Inspektion durchführen lassen. Billiger, als Leihwagen. Jetzt bin ich dank neuer Mobilität und mit meinem Hängematten-Zelt der König der Unabhängigkeit.
Am Montag früh reise ich also endgültig weiter.
Andreas hat sich vor der Fahrzeugübernahme vom ordnungsgemäßen Zustand aller 49 Kugellager überzeugt. Nicht aber vom Benzinhahn, denn der tropfte, nachdem ich den 12-Liter-Tank an der Tankstelle vom freundlichen Tankwart befüllen ließ.
Also zurück zum Laden.
Vater Wiens hat neben dem Verkaufsladen seit 37 Jahren die Werkstatt und dort wurde der Mangel sogleich behoben.
Preis für das Motorrad war 1100 Euro einschließlich Helm und "porta chapa", einer speziellen Kennzeichenhalterung, die dem Verlust des Kennzeichens 720 BRU sicherstellt. Weniger, als ein modernes Fahrrad.
Fraglich ist, ob das Motorrad etwas taugt. Natürlich habe ich geschaut, was die Einheimischen fahren und diese Fahrzeuge sind hier gängig. Honda und Yamaha sind deutlich teurer und die können sich viele Arbeitnehmer nicht leisten.
Mein erster Eindruck war positiv. Ich sitze gut mit den langen Beinen. Der 4-Takter ist relativ vibrationsarm und die Enduro steckt die Schlaglöcher begeisternd gut weg.
Der Motor ist indes nicht ganz so gelungen. Ziemlich laut im oberen Drehzahlbereich. Oben fehlen 1 oder 2 Gänge. Schade. Höchstgeschwindigkeit mit Anstrengung etwa laute 100km/h. Habe ich nicht wirklich ausgereizt sondern in der Einfahrphase nur kurz angetestet. De facto aber sind so um die 70 eine ganz annehmbare Geschwindigkeit. Im Chaco fährt man ohnedies nicht viel schneller auf den schwammigen Erdstraßen. In Deutschland mit seinem perfekten Asphalt wäre der Motor vermutlich nicht tragbar (ich kenne mich aber auch nicht aus in diesen kleinen Klassen), aber für hier ist er gut geeignet. Anzug ist gut. Fahrdynamik und Handling auch prima. Besser jedenfalls, als bei den Rollern, die ich zuerst im Blick hatte.
Als ich zurück zu Iparoma kam, war man allenthalben vom Fahrzeug angetan und Cindy wollte mal mitfahren. Lediglich um Iparoma herum um die 4-Ecken.
Daraus wurde ein etwas längerer Ausflug, denn mir kam die Idee, das Fahrzeug den Polizisten vorzuführen, die mich fragten wieso ich nicht mit Motorrad unterwegs sei. Keine allzugroße Strecke, wenn man nicht gerade sein Fahrrad hinschieben muss.
Florin, der Beamte von vorgestern am Checkpoint
Und jetzt bei der Fahrt mit meinen Moped während der Freischicht.
Beide Beamte waren wieder an der Kontrollstelle und schwupps wurde eine helmlose Probefahrt in Adiletten und mit breitem Grinsen durchgeführt. Apropos helmlos. Beim Kauf des Mopeds gab es den staatlich gesponsorten Helm als kostenlose Beigabe obendrauf. Aber eben nur einen Helm. Nun waren wir zu zweit unterwegs und selbst der gestrenge Herr Hauptmann hatte keine Einwände gegen das Fahren ohne Schutzausrüstung. Gut zu wissen, denn als nächster hat sich der Professor für eine Mitfahrt angemeldet.
Florin hatte auch ein süßes, noch namenloses, schwarzes Labrador-Welpen zu verschenken, aber wohin damit. 1995 /96 in Mostar/Bosnien gab es an den militärischen Kontrollpunkten auch immer kleine Hundchen. Wahrscheinlich wollen die auch eine Uniform tragen, sobald sie groß sind.
Auf dem unscharfen Foto kann man nur erahnen, dass Cindy einen Hund auf dem Schoß hat. Ich gebe zu, man kann es nichtmal erahnen.
Florin empfahl noch ein Gasthaus in relativer Nähe und dort kehrten wir ein. Ein kleines Versorgungsdepot für Vorbeifahrende namens "Km17". Grundnahrungsmittel, Getränke, Süßigkeiten und Handykarten. Dazu gab es noch eine direkt angeschlossene einfache gastronomische Einrichtung. Die Chefin brachte frisch zubereitetes Kalbsschnitzel mit Spiegeleiern (Milanesa) und selbstgemachtes Brot.
Das und 1/2 Liter Wasser kosteten je 4 Euro.
Stilecht liegen Schlafzimmer, Küche Bad und Gastraum, genauso wie das Warenlager durch geschickte offene Bauweise für jeden zugänglich. Außer im Schlafzimmer war ich überall.
Auch im Verkaufsraum hinter der Theke, wo die Tochter des Hauses für mich eine SMS absetzte, um Andreas und Elli über unseren Verbleib zu informieren. Mein Handy hatte nirgendwo Signal. SMS wurde nicht in Rechnung gestellt.
Hört sich vielleicht eklig an, war es aber nicht. Draußen im sandigen Chaco kann man bei offenen Türen und Fenstern nicht überrascht sein, wenn man Tisch und Bett mit den kleinen Kerlchen teilt. Ist nicht schlimm, Essen war gut, auch weil es so ein herzliches Klima in diesem "Almacén" war. Der Vater des Hauses ist während unseres Aufenthaltes Oberkörper-frei mit Sackkarren voller Lebensmittel hin und her gefahren und hat Lagerarbeiten durchgeführt. Ungewöhnliches Setting, aber nicht hektisch oder unangenehm.
Das kleine 10-PS Motorrädchen hat die sehr herausfordernden Chaco Sandwege mit absoluter Bravour gemeistert. Mehrleistung wurde nicht vermisst. Das war auch das Urteil meiner Sozia, die sich stets ordnungsgemäß keusch am Gepäckträger und nicht an mir festgehalten hatte.
Am Montag muss ich mit dem Moped noch zur Stadtverwaltung, meine Papiere abholen. In 2 bis 3 Wochen komme ich dann wieder nach Filafelfia, um die "cedula verde", quasi den Fahrzeugschein, bei der Verwaltung zu erhalten. Damit kann ich dann über die Grenzen nach Bolivien, Argentinien und Brasilien fahren.
Übrigens, Versicherungspflicht gibt es für die 150er nicht. Steuer wird in sehr kleinem Umfang jährlich erhoben. Die so genannte "Habitilación" wird als jährlich als Plakette ausgegeben. Angenehm.
Als ich heute früh aufwachte, hatte der liebe Alan schon dass Motorrad von Staub befreit. Heute Mittag werden wir auch eine Runde drehen. Aber nur auf der Estancia, wo die Wege besser sind.
Als ich heute früh aufwachte, hatte der liebe Alan schon dass Motorrad von Staub befreit. Heute Mittag werden wir auch eine Runde drehen. Aber nur auf der Estancia, wo die Wege besser sind.
Evolution der Fahrzeuge.
Shabbat Shalom!














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