Mittwoch, 10. Januar 2018

Weiterfahrt über Pozo Colorado nach Concepción (Ruta 5)

Bei meiner Weiterfahrt am Dienstag Morgen sah ich mein bislang erstes und einziges Wohnmobil in Paraguay. Mit einheimischem Kennzeichen. Ein etwas größeres, vermutlich nordamerikanischer Herkunft. Attraktiver Gedanke für Südamerika.

Dann hatte ich einige sehr schöne Plätze zum Angeln gefunden. Wie? Wegen zweier Pkw, die abgebogen sind, wohin man nicht abbiegt, wenn man sich nicht auskennt.



Von der Polizei wurde ich zwischen Filafelfia und Concepción zweimal angehalten. Jeweils bei festen Kontrollstellen. Das erste Mal wollte der Kollege meine Fahrzeugpapiere sehen und meinen Pass wegen des Einreisestempels. Professionell, freundlich, korrekt. Gute Fahrt! Habe auch ein Selfie mit dem Mann vorne, aber es gibt ja nun schon ausreichend Selfies mit Geo und Polizisten. Übrigens, außer in Asunción, habe ich niemals mehr weibliche Polizisten gesehen.


Der zweite Beamte, knapp 100 Kilometer später, verlangte zunächst ebenfalls meine Papiere und als ich die gerade aus der Hosentasche gekramt hatte, hieß es plötzlich. "Tranqiiiilo!" ... "Pase!". Weiterfahren! War wohl nicht so ganz ernst gemeint, mit den "documentos"? Ich hatte mich erst jetzt, nach der Aufforderung weiterzufahren, als Kollege geoutet und wir unterhielten uns. Eine "Allgemeine Kontrollstelle" war das, nicht nur eine reine Verkehrskontrolle, erfuhr ich. Der Kollege wollte im Gegenzug wissen, wie Polizeiarbeit in Deutschland aussieht und wie es um die Kriminalitätslage bestellt sei. Ob er sich gefreut hat, dass es in Paraguay so erfreulich ruhig auf den Gebiet ist, oder ob er glaubte, seine Arbeit hier sei weniger wert, weiß ich nicht. Auf jeden Fall blieben in der Zeit, in der wir sprachen, viele Fahrzeuge unkontrolliert.
Meine Güte, was habe ich vorab für Schauergeschichten über die korrupte Wegelagerer-Polizei in Paraguay gehört. Nicht ein einziges Mal in meinen vielen (!) Begegnungen hatte ich etwas auszusetzen.


Dann bog ich ein auf die Nebenspur, die mit 
"Viehzucht-Kontrollstelle" ausgeschildert war und legte mich auf die Lauer. Tatsächlich, nach 10 Minuten kommt ein Laster. Der Fahrer geht mit einer DIN-A4-Liste ins Dienstgebäude und bald darauf mit zwei Bediensteten wieder zum Fahrzeug.


Die Rinder werden anhand der von Fahrer ausgehändigten Papiere gezählt und einige im Abteil des Zugfahrzeugs genauer aus der Distanz geprüft. Es geht um die dokumentierte Identität und Gesundheit der Tiere. Der Kontrollbeamte läuft dazu auf den Planken des offenen Viehtransporter-Dachs und vergleicht mit der Liste. Es sind 3 Abteile, je 15 Tiere. Eines beim Zugfahrzeug, zwei im Hänger. Die Tiere haben zu fressen (und wahrscheinlich auch Wasser) und verhielten sich beim Fahren und Stehen des Lkw ruhig. Nur, als der Beamte über ihren Köpfen umherlief, entstand leichte Unruhe. Die Tiere haben genug Platz und können sich halbwegs frei bewegen. Hilft ihnen am Ende wenig, der letzte Weg führt sie zum Schlachthof. Wer als Rind in einem solchen Transporter aus dem Chaco rausfährt, kommt nicht mehr lebend wieder. Erinnert mich an die jüngere deutsche Geschichte, während mit die Tränen kommen. Nicht wegen der Rinder.


Am Ende gibt's bei bestandener Prüfung für jedes einzelne Abteil des 28-Meter Gespanns das grüne Band der Sympathie.


Der ausgegebende Kontrollbeamte kam auf mich zu und bat mich, das Foto, das ihn ohne Sicherheitsschuhe zeigt, nirgendwo zu veröffentlichen. Er sei sonst seinen Job los. Strikte Dienstanweisung. Von ihm und damit aus erster Hand, stammen die beschriebenen Informationen.


Ungezügelte Freiheit hingegen für zahlreiche Ziegen an Straßenrand. Sogar Freiheit von der Anweisung zum Tragen festen Schuhwerks.

Dito anderswo.

Esel am Straßenrand ohne Haus und Zaun. Gibt es hier Wildesel, oder wo gehört der hin?
Kühe gibt's auch allerorten an Straßenrand. Nichts besonderes mehr.

Pozo Colorado, Kreuzungspunkt zweier Autobahnen mit Kreisverkehr. Die Hauptroute 9 geht vom Chaco im Norden herunter nach Asunción im Süden und die Ruta 5 geht an dieser Stelle nach Osten ab nach Concepción. Nach Westen führt die Straße lediglich ins kleine Dorf und dann ist Schluss. Das große Bundesland "Presidente Hayes", in dem Pozo Colorado liegt, ist wie die Stadt "Villa Hayes" und viele Straßen im ganzen Land auch, nach dem ehemaligen US-Präsidenten Rutherford Hayes benannt. Ein in Paraguay hoch verehrter Mann, der nach dem Chaco-Krieg wesentlich dazu beitrug, dass die Landverteilung günstig für Paraguay ausfiel.

Direkt am Kreisverkehr ist dann auch der Umschlagplatz für Menschen und Güter aller Art. 

Moderne Großtankstelle, zugleich Haltestelle für Fernbusse.

Erste Welt neben Dritter Welt:

 Reifen-  und Waschservice für Fahrzeuge


Grünzeug und sonstige kokelnde Abfälle, deren Rauch wenig einladend in den offenen Gästebereich der kleinen Gaststätte zieht.

Turmhoch mit alten Getränkedosen beladener Lkw an der Tankstelle.

Bei der mit Langbesen deckenreinigenden Claudelina noch ein Wasser erworben und ein paar Jungs beim Barfußkicken zugeschaut.


Dann die letzten Kilometer bis Concepción ab Pozo Colorado. Noch knapp 150.
Eines von zwei Hinweisschildern auf mehreren hundert Kilometern. Ich denke, wer hier fährt, weiß, wo er hin will. Schilderwald geht anders.


Übrigens, ich werde mit neuem Moped, Helm und 1a Papieren angehalten, Fahrzeuge, wie diese, ohne Kennzeichen, Helme und daher wohl auch ohne passende Papiere, fahren hingegen unbehelligt durch die Kontrollstelle.


Finalmente! Concepción.
 Im Hintergrund die "Puente Nanawa", 1,3 Kilometer lange Brücke über den Rio Paraguay.


Auf dem Bauwerk.



Blick zurück in die Ebene, woher ich komme.

So, wie Brensbach das "Tor zum Odenwald" ist, ist Concepción "Die Perle des Nordens". Willkommen.

Meinen ersten Puma habe ich auch in Paraguay gesehen. Tankstelle.

Konzeptioneller Kreisel am Stadteingang.
Begrüßende Empfängnis allerlei Verkehrsteilnehmer.

Nach einer kurzen Stadtdurchfahrt, Besuch bei einer Tankstelle, und erworbenen 10 Litern Super 95 Oktan, ermittelte ich einen Verbrauch von Filafelfia bis Concepción plus ein paar Umwege von 2,6 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 km.
 Reisegeschwindigkeit war so um die 60 km/h.

Jetzt musste noch ein Nachtlager gefunden werden. Also raus aus der Stadt, 30km weiter über die roten Feldwege, in einen Bereich, wo Mangos und Palmen wachsen.


Hier durfte die Dakar Heia machen. Im Schutze eines mächtigen Baumes. Boden war übersät mit überreifen Mangos und daher ebenfalls Fruchtfliegen im reichlichen Übermaß in Bodennähe. Roch, wie in einer Marmeladenfabrik.

Mein Hängemattenzelt schlug ich zwischen extrem garstigen Stachelpalmen auf. Fingerlange Stacheln, dick wie Mikado-Stäbchen und richtig spitz. Ich blute! Da diese Stacheln auch zuhauf auf dem Boden liegen und unser Schöpfer es für schlau erachtete, auch die Palmblätter entsprechend zuzurüsten, durchpieksten die auch mehrfach meine leichten Gummisohlen. Die festen Stachelabwehrschuhe waren leider im Rucksack. Aua!


So hing es dann und bald auch ich.
Bis morgens war ich wieder frisch.


Ein letzter Blick aus dem moskitonetzbewehrten Zeltinneren um 20.15 Uhr. Laute Naturgeräusche und Gewitterdonner prägten die in wenigen Minuten hereinbrechende völlige Dunkelheit im Stachelpalmen-Mango-Hain.
Mein Kindle-e-book-Reader hat leider einen internen Bildschirmschaden erlitten, wie ich feststellte, als ich noch lesen wollte. Vielleicht die Erschütterungen oder die Hitze. Schade. Gute Nacht aus dem Wald.













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