Es ist viel Platz auf der Ruta 9, um Kapriolen zu fahren, oder um einfach das Handling des Motorrades zwischen rechtem und linkem Straßenrand so ausgiebig zu testen, wie man das möchte.
Oder, wenn man der kilometerlangen Schlangenlinien überdrüssig ist, das Zweirad für einen langen Spaziergang auf der Straße zurücklassen. Kommt ja eher selten ein Fahrzeug.
Falls aber doch, dann ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass es sich um einen der 28-Meter-Standard-Viehtransporter handelt, die jeweils 45 Rinder aus dem Chaco heraus transportieren. Manchmal fahren auch mehrere dieser Kolosse als Konvoi direkt hintereinander.

Doch weit gefehlt, es handelt sich um ein häufig vorkommendes, bewusstes Manöver, um den teilweise (sehr) tiefen und zuweilen breiten Schlaglöchern auszuweichen.
Tja, Enduro müsste man fahren! Das Ding ist nämlich klasse und steckt von der Fahrbahn alles weg, was den Fahrkomfort trüben könnte. Von wegen Chinaschrott. (Den ganz großen Löchern weiche ich allerdings doch aus. 50 cm tief, ca. 60 breit und 1,5 Meter lang will ich dann doch nicht ausprobieren.)
Der Ritzeltausch hat sich wegen der jetzt geringeren Drehzahlen und damit größeren Laufruhe und wiederum damit einhergehenden geringeren Vibrationen und Geräuschen absolut bewährt. Verbrauch war vorher schon unter 3 Liter, jetzt wird es bestimmt noch weniger, weil ich konstante Geschwindigkeiten fahre und das Moped eingefahren ist. Einen Tempomat habe ich mir für weiteren Komfortgewinn auch noch gebastelt und man kann sich zuweilen beim Fahren die Beine vertreten. (Kein Scherz. Wie die Trial-Fahrer komplett in den Fußrasten aufrichten, und im Stehen fahren, oder auf dem Rucksack in 2. Etage verweilen. Dann hat es das Chopper-Flair von Peter Fonda & Dennis Hopper in "Easy Rider" - wirkt jeweils eine zeitlang entspannend). Das Beste aus beiden Welten.
Das ganze funktioniert aber nur, wenn das Teil fährt und nicht etwa z.B. wegen eines platten Reifens, hilflos dem Hupen der Lkw ausgesetzt wäre, während man selbst am Straßenrand mit leerem Handyakku und ebensolcher Wasserflasche die 40+ Grad Schattenlosigkeit genießt.
Also vorsichtshalber (neudeutsch: "proaktiv") nachgefragt, bei einer der zahlreichen "Gomerias", kleine Reifen-Reparaturwerkstätten am Straßenrand. "Habt ihr hier Pannenspray?" Bzw. sprachlich deutlich weniger elegant. Eher so: "Äh, habt ihr so ein Spray, so wie für Haare bloß, wenn es keine Luft gibt im ... äh... ?!"
Eigentlich war mir die Antwort vorab klar auf mein Gestammel, aber ich will ja gerne Menschen erleben, wie die so ticken. "Sowas gibt's in Asunción", hieß es. Das wiederum kann ich bestätigen, da gibt's alles. Auch Lesebrillen! Hatte ich ja bereits vor Wochen dort ermittelt. Meine erste und einzige Brille aus Deutschland verlor ich nach Ankunft auf Iparoma. Am Nachtschalter der Apotheke in Filafelfia erstand ich eine weiße Damenbrille. Immerhin. Cool.
Elli, sorgsame Hüterin liegengebliebener Gegenstände von ehemaligen Iparoma-Gästen, gab mir eine Damen-Brille mit runden Gläsern und Leopardenmuster. Ich habe damit für brüllendes Gelächter bei all denen gesorgt, die mich damit gesehen haben. Mir war es schnurz, ich konnte gut sehen. Das erinnert mich an das sensationelle Kriegsheimkehrerdrama "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert (1921-1947), prägendster Schriftsteller der deutschenTrümmerliteratur. Schwere Kost. Gibt's auch als Hörspiel bei YouTube. Der Beckmann im Buch war mit seiner einzig verbliebenen Sehhilfe, der sog. Gasmaskenbrille zum Gespött geworden. Wie ich mit meiner Damenbrille. Fast.
Wo es gerade um Krieg geht. Im Film "Apocalypse Now" liegt Protagonist Martin Sheen auf dem Bett seiner Absteige in Saigon (heutiges Ho Chi Minh City). Über ihm der Ventilator, der das Trauma des Vietnam-Einsatzes triggert und sich anhört, wie die schlagenden Rotorblätter von Kampfhubschraubern (ab Minute 1:35). Ich liege in genau so einem einfachen Zimmer in Paraguay schwitzend unter dem Ventilator in Höchststufe und das Ding hört sich wirklich an, wie Kampfhubschrauber (Mehrzahl). Gott ist mein Zeuge! Beinahe beklemmend. Schnell Gedankenwechsel!
Es ging ja doch um die Brillen. Wie komme ich von Damenbrillen zu Kampfhubschrauber-Geschwadern? Die lustige Damenbrille mit dem Leopardenmuster hatte ich jedenfalls ebenfalls verloren, und zwar, als ich die Probefahrt mit Andreas' Fahrrad unternommen hatte. Elli hatte noch eine ehemalige Gästebrille nämlich in blau. Passte nicht so gut - und wurde bei der ersten Motorradfahrt verloren. Somit blieb nur die weiße Damenbrille. Meinem letzten Joker im Klarsicht-Plastiketui.

Die verlor ich heute aber auch. Nämlich bei der Gomeria, die kein Pannenspray für die Haare hatte. Doch, Gott sei Dank, sie fanden sie, hoben sie für mich auf und ich konnte sie wieder dort abholen. Diese letzte Brille war bedeutsam für mich!
Auch am Straßenrand werden oftmals bedeutsame Informationen weiter gegeben. Für die einen eine alberne Torheit, den"Grimms Märchen" nahe, für die anderen Grund zum Aufatmen.
(Anm.: "Glaube" ist nicht das intellektuelle "Für-Wahr-halten", sondern Nachfolge - Jak 2,19)
Gib mir 2 Orangen und 2 Bananen, dann bezahle ich auch gerne trotz Gringo-Aufschlag die geforderten 80 ct.
Die idyllisch grasende Mini 'Pferde-Herde' (ein Mini-Reim!), nimmt ihren täglichen Bedarf an Vitaminen, Eiweiß und Ballaststoffen hingegen in schöner Umgebung kostenfrei ein. Aber die sind ja auch einheimisch.
Später aß ich hier eine große Kleinigkeit und fragte, ob ich meine Hängematte irgendwo für die Nacht aufhängen könnte.
Schon wieder Milanesa. Kalbsschnitzel mit Spiegeleiern.
Mir ziemlich egal, was ich hier esse. Ich habe Victor gesagt, "mach einfach was zu essen ohne Schweinefleisch". Exotische Salat- und Gemüsevariationen darf man im ländlichen Paraguay eher nicht erwarten. Da schlägt das vegetarische oder vegane Herz schneller, aber nur vor Schreck.
"In Zimmer 3" war die unumstößliche Antwort von Victor auf meine Hängematten-Frage. Ich stellte nochmals klar, dass ich kein Geld für eine Übernachtung zahlen möchte. Zwei Bäume seien mir genug. "Zimmer 3!", sprach's und ging mit dem Schlüssel voraus.
Unscharf getroffener, hünenhafter Victor mit großem Herz für verschwitzte durchreisende Ausländer!
Zimmer 3 von außen, rechts. Mit Abstellplatz für Moped. Gelände gesichert.
Und von innen:
Zimmer mit beklemmend klingendem Kampfhubschrauber-Ventilator, WC und Dusche. Aber ohne Klima. Unisoliertes Blechdach bescherte wegen der direkten Sonnenbestrahlung auf Zimmerdach Nr.3 deutlich höhere Innentemperaturen, als Außentemperaturen. Ich ließ dennoch die Tür zu.
Das bescherte wenigstens deutlich geringeren Moskitobesatz drinnen, als draußen.
Nach einem einfachen 2-Euro-Frühstück mit Malzkaffee, erfolgte die herzliche Verabschiedung vom großherzigen Victor, dem Sal(o)on und Zimmer 3.
Dann ging es um 8 Uhr wieder auf die Bahn, die einsame, Richtung Concepción.














Wo befindet sich Parador Yesan? Wie weit war es von dort bis Conception?
AntwortenLöschenNoch gut 200 km. 53 bis Pozo Colorado und ab da nochmals 156 bis Concepción.
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