Mittwoch, 3. Januar 2018

Fahrrad ist reisefertig ausgerüstet.

Heute morgen wollte ich früh los nach Filafelfia, um meine "Ausrüstung" zu vervollständigen. Um 06.45 Uhr sind Andreas und ich losgefahren.
Andreas war mir eine enorme Hilfe, denn allein hätte ich die verschiedenen Geschäfte unmöglich so schnell gefunden.

Ich hatte nach Satteltaschen gefragt, aber im Chaco
 ist allgemein das Warenangebot begrenzt.  
Im Fahrradladen bekam ich daher weder Satteltaschen, noch Flickzeug, noch Luftpumpe.
Gibt's nicht, gibt's doch.

Aber wenigstens einen 26er Ersatzschlauch für 2,50 Euro gab's hier bei dem
 älteren Herrn. Abgesehen von den Satteltaschen bekam ich die restlichen Artikel später
bei der Genossenschaft (Cooperativa), wohin der nette Mann mich verwies.



Zunächst aber, auf zum metallverarbeitenden Fachbetrieb und vom Lehrling Romeo einen Eisenstreifen aus dem Restehaufen nach Maß des Fahrrades und meiner beiden 5 Liter-Kanister anfertigen lassen.


Kosten: 3 Euro einschließlich Biegen.

Hier gab es 100 lange Kabelbinder für 2,50 Euro.



So sah dann der Einkauf aus. Flaschenhalter, Ersatzschlauch, 2 Zurrgurte (schlechte Qualität. Muss sie nutzen, wie einfache Stricke; gute Spanngurte gab es nicht), Luftpumpe (das war die Kleinste), 4 Flicken, Vulkanisierer, Schutzbrille aus der Werkzeugabteilung für 50 Eurocent. Hilft vielleicht gegen Mücken (falls ich je so etwas wie Fahrtwind erleben sollte), 2x5 Liter Wasser, 4 kg Erdnüsse, 5 Dosen Sardinen in Öl, 3 Erdnuss-Riegel süß sowie natürliches "Palo Santo"-Mücken-Gel und giftiges Mücken-Spray für den Notfall. Die beiden Apotheken-Fachangestellten haben ständig herumgekichert, als ich sagte, dass das Mückenmittel gegen "Polverin" in Alto  Paraguay gedacht ist. Nun, liebe Damen, vollklimatisierte Apotheke kann jeder!
 Die guten Ortlieb-Fahrrad-Reisetaschen in Deutschland  sind wasserdicht und lassen kein Wasser rein. Meine beiden 5-Liter-Taschen, bzw. Flaschen aus Paraguay sind ebenfalls wasserdicht und lassen keines raus. Erstmal. Ich hoffe, dass die Erschütterungen usw. dem Kunststoff in Supermarktqualität nicht allzu viel anhaben werden.

Montage der Halterung. Gummistreifen aus ausrangiertem Traktorschlauch dienten als Polsterung und Rutschhemmung. Die Befestigung des Trägers erfolgte sach- und fachgerecht durch stabilen Weidezaundraht aus Gerhards Werkstatt.
 Man muss nehmen, was es gibt.

Gerhard zeigt mir noch ein paar Routenvorschläge auf der Chaco-Karte ohne Städte.


Dann war das Rad mit allem Schnickschnack  für ca. 20 Euro Warenwert, einschließlich Proviant gepackt. Es ist richtig schwer das Teil mit der ganzen mängelbehafteten Ausrüstung und den insgesamt 13 Liter Wasser. Fest steht: eigentlich viel zu schwer. Über ein Weidegatter hebt das keiner. Wie die Speichen mit der Belastung zurecht kommen, muss abgewartet werden. Verwindungssteifigkeit könnte auch besser sein. Ich weiß, ich weiß: Ich würde mir selbst auch abraten, mit diesem schaltungslosen und
überladenen China-Stahlkoloss loszufahren. In einer Radlerzeitung käme ich damit höchstens in die Rubrik "wie doof muss denn jemand sein...". Und mit diesen, meinen eigenen Zeilen kann ich später auch immer mit dem auf mich selbst deuten und sagen:
"Siehste, ich habe es mir doch gleich gesagt!"
Dennoch. "Der Flug des Phönix" mit Hardy Krüger und James Stewart ist 1965 allen Unkerufen zum Trotz schließlich auch gelungen. Und eins weiß ich jetzt schon: egal, wie die Sache ausgeht, ich werde mich an mein kleines Abenteuer im menschenleeren nördlichen Chaco eher erinnern, als an manche sonst sinnlos verbrachte Stunden.

 Die erste Wassertankstelle kommt auf meinem Weg nach 120 km. Dort kann ich abschätzen, wie der effektive Wasserverbrauch ist.  Falls das Gefährt die Belastung bis dahin aushält. Eventuell kann ich dann später Gewicht reduzieren,
indem ich weniger nachtanke.
 Oder ich breche ab. Kann ja auch sein. Bin ja keine 50 mehr. Der nächste Mini-Ort (Toro Pampa)  kommt dann im Anschluss nach weiteren gut 160 Kilometern. Letzte Etappe nach Bahia Negra sind dann wieder 120 Kilometer.

Die Wetterprognose ist aktuell günstiger.
Donnerstag und Freitag kein Regen und für Chaco-Verhältnisse nicht zu warm:


Soviel zu den Reisevorbereitungen.
Die Verabschiedung von Gerhard und Marylin war sehr herzlich heute und wir haben uns zum Abschluss im Arm gehabt und zusammen gebetet, bevor sie nach Hause nach Filafelfia fuhren. Wertvoll.



Morgen früh kommt mein Abschlusspost von Iparoma.
Um kurz nach 7.00 Uhr soll die Fahrt losgehen.
















3 Kommentare:

  1. Coole Improvisation. Der Wassertankträger ist echt Klasse. Ich bin nun fast ein wenig neidisch auf Dein Abenteuer. Ich habe mir die Strecke bereits auf Maps angeschaut. Hat Cindy noch Dein fertiges Fahrrad gesehen? Bei Deinen Vorbereitungen ging mir nun auf, das mein 22 Jahre altes Wohnmobil der absolute Luxus ist. Auch wenn mich bisher ein paar Macken gestört haben, werde ich das wohl in Zukunft aus einer neuen Sicht bewerten... Bin gespannt auf Deine Berichterstattung.

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  2. Der Blechstreifen-Fahrradtaschen-Ersatz sieht sehr massiv aus! Wiegt der so 4 KG?

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  3. Der Streifen wiegt eher 2, als 4 kg. Ja, Cindy hat das fertige Rad gesehen und die letzten Fotos von mir und dem Rad gemacht.
    Ja, dein Wohnmobil ist echt Luxus. Sowas gibt es hier nicht. Das wäre ein Traum, mir einen Mobil, wie deinem hier zu sein. Eine Marktlücke.

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