Donnerstag, 11. Januar 2018

Umgebung von Concepción (Loreto)

Aus meiner Waldunterkunft 35 km von Concepción entfernt, bin ich am Mittwoch früh um 7 Uhr abgereist. Trotz Gewitterdonner hatte es nachts nicht geregnet, aber nun war der Himmel stark verhangen. Ich entschied mich, anstatt dort vielleicht längere Zeit festzusitzen, besonders, weil ich mit dem Motorrad kaum weggekommen wäre, zu packen und Richtung Concepción zu fahren.
Es ist kühler hier, als im Chaco. Binsenweisheit. In der Nacht war ich froh, eine Vliesdecke mit ins Hängemattenzelt genommen zu haben. Zwar ist von oben her ein Moskitonetz eingebaut, aber unten, der schwarze Stoff auf dem man liegt, ist so hauchdünn, dass die Stechmücken locker durchpieksen. Also hilft nur, eine Zwischenschicht einzubauen. Meine Vliesdecke lässt sich per Rundum-Reißverschluss auch zum Schlafsack umfunktionieren, aber so kalt war es dann doch nicht.



Nachfolgend ein paar Impressionen aus dem Bundesland Concepción, 30 km von dessen gleichnamiger Hauptstadt entfernt.


Feindliche Übernahme. Termiten. Die bauen oft um Weidezaunpfähle, oder,
 wie hier, um Bäumchen herum.



Wie bin ich froh, mich für die Dakar und nicht für ein Straßenmotorrad entschieden zu haben. Auch in dieser Region das richtige Fahrzeug. Und doch, zu meiner Verblüffung kommt in dieser Einöde ein Kleinlaster langsam hinter mir hergefahren. Tiefem Sand und straßenbreiten Wasserlöchern zum Trotz.

An dieser und anderen Stellen kamen mehrspurige Fahrzeuge nicht mehr weiter.
Trotzdem wohnten Menschen am Wegesrand.
Auch einen kaum zugänglichen und dennoch gut besuchten Badesee im Wald fand sich.

Die Bebauung erinnert an eine Kleingartenanlage, nur mit meistens sehr viel mehr Grundstück am kleinen Häuschen. Haltung von Kühen, Schweinen, Ziegen, Hühnern usw. ist die Regel, nicht die Ausnahme. Oft sitzen Leute vor den Häusern und haben Gemeinschaft. Freunde und Familie, nehme ich an.





Falls es möglich ist, so wie bei diesem Herrn, frage ich zuerst, ob ich eine Foto machen darf.

Oder, falls sie Person gerade nicht in Bewegung ist, biete ich etwas Smalltalk an.
 So, wie bei diesem stolzen Familienvater.


Manchmal verfolge ich sogar jemanden, wie den Milchmann und frage, was mich interessiert, an dessen Ziel.


Wenn der Milchmann nicht zweimal klingelt.
Erinnerte mich an eine Szene aus Anatevka (Fiddler on the Roof).
Tevye fährt auch Milch aus, mit seinem Pferdekarren.


3 Dinge gibt's immer, auch ihn der hiesigen Einöde ohne nennenswerte Infrastruktur. Gute Rasenplätze, Mobilfunk-Guthaben-Aufladungs-Verkaufsstellen und Spirit, der für ein Viertel teurer, als an der Tankstelle in der Stadt angeboten wird. Einer hatte sogar eine Zapfsäule vor seinem Holzhäuschen im Garten.

"Se vende NAFTA", steht auf dem unlesbar weit entfernten Holzschild. Sprit für die allgegenwärtigen, durstigen Mopeds.

Kleine Kuhherden, mit oder ohne begleitenden Hirten, prägen das Bild der Region. Die Rinder haben einen etwa 3 Meter langen Strick um den Hals, den sie hinter sich herziehen. Manche Tiere haben eine knapp 1 Meter lange, unterarmdicke, V-förmige Astgabel mit der Öffnung nach oben um den Hals gebunden. Stricke zum leichteren Einfangen/Anbinden? Stöcke zur Bewegungseinschränkung? Wer weiß, wozu? Bitte melden.

Junger Kuhhirte

Dieser Semi-moderne Cowboy muss seinen Tieren durch tiefe Gräben folgen, um sie wieder auf rechter Straße zu führen. Guter Hirte. (Ps 23,3)

                                         Offener Versamlmlungsraum für Gottesdienste.

Auf Wiedersehen von der Dakar-Kommandozentrale aus der Region Loreto,
 die "mit seinen Menschen wächst"

.

                                                           Morgen wird alles besser.



2 Kommentare:

  1. Die Idee der Motorrad-Milchkannenhalterungskonstruktion hat der sich sicherlich von Deinem Fahrrad-Flaschenhalter-Konstruktion abgeschaut oder? Wenn die Dinger voll sind, hat der ganz schön Balance zu halten auf den Wegen...

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  2. Du fragtest wegen den Astgabeln, die manche Tiere umgebunden haben. Vermutlich soll damit verhindert werden, das die Rinder irgendwelche Zäune in Eigenregie passieren, so haben wir es mal gehört. Wenn ein Kalb allerdings von jung auf immer wieder durch Zäune geklettert ist, wird es schwierig, es ihm später abzugewöhnen mit dieser Methode. Die Tiere werden in dieser Hinsicht sehr kreativ. Ausgewachsene Bullen haben allerdings sogar die Fähigkeit, aus dem Stand heraus über einen fünf-drätigen Zaun (Grenzzäune sind meist fünf-drätig)zu springen. Dann bleiben nicht viele Möglichkeiten, denn Astgabeln sind in solchen Fällen wirkungslos. Aber Paraguayisches Rindfleisch ist weltbekannt für seine Qualität...

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