Die Mitfahrt in Bussen des städtischen Nah- (und Fern-)verkehrs in Südamerika steht bei Ausländern aus westlichen Gefilden im Ruf, eine halsbrecherische Unternehmung zu sein. Dieser Gedanke möchte sich verfestigen, wenn der erste Blick (wie heute geschehen) nach dem Einsteigen auf die Hausarbeit einer Studentin fällt: "Reflexiones de la muerte" = Betrachtungen über den Tod.
Aber dieser Gedanke konnte sich angesichts der folgenden theaterstückartigen Ereignisse auf meiner doppelrucksackbepackten Reise zum Bus-Terminal nicht halten. Im Gegenteil, zuweilen sind die Busfahrten eine reine Freude.
Denn als Mitwirkende der grandiosen Inszenierung dieser Real-Life-Dramaturgie traten in chronologischer Reihenfolge auf:
1. Studentin mit beängstigendem Uni-Thema. Jung. Schweigsam. Konzentriert nach innen gewandt.
2. Zugestiegener Rapper mit Beatbox. Heißt Gary und hat Trinkgeld verdient. Erhält es. Setzt sich nach dem Akt hin. Steigt später wortlos aus.
3. Ananasverkäufer. Bietet das Obst für 80ct./St. erfolgreich an. Geht anschließend fröhlich ab.
4. Verkäufer von Kaltgetränken. Steigt zu und wieder aus.
5. Ältere Damen, die einem deutschen Rucksacktouristen, als dieser beinahe die Haltestelle zum Ausstieg versäumt hätte, auf diesen Umstand aufmerksam machen und ihn so vor grobem Unbill bewahren. Anschließend freundliches Zuwinken aus dem Bus zum Abschied. (Hauptrollen!). Bus Nummer 31 entschwindet in hochkonzentriert-feinstaubgeschwängerter Dieselwolke.
Gary. Hey, what's up, Bro?
Tüten, falls gewünscht, kostenlose Beigabe.
Kaltgetränke. Nicht im Bild. Sinnlos.
Rucksacktourist nochmal mit blauem T-Shirt und ebensolchem Auge davongekommen.
Sitzplatz Nr.4. Prompt der einzige Platz ohne freie Sicht nach draußen. Vorne zum Fahrer hin alles zugehängt. Fensterplatz 3 nahm Simone, 24, Grundschullehrerin im Referendariat, Zeltstadt-Besucherin zu Zeiten von Soul Devotion ein. Sehr strahlend freundliches Mädchen. Die deutsche Ausgabe von Polizistin Lorena Dominguez aus Asunción.
Simone war 2012/13 für 8 Monate in Paraguay und hat für das christliche Werk "Kreuz des Südens" in einem Kinderheim gearbeitet. Paraguay fand sie toll (siehe Interview bei WhatsApp). Deshalb ist sie wieder da.
Stundenlang sieht man grünes Gras- und Buschland (wenn man es denn sieht). Simone hat die Aufnahme gemacht. Das erinnerte mich sehr an die scheinbar endlosen Birkenwälder in Sibirien.
Nach gut 7 Stunden hat mich Andreas mit dem kleinen Alan in Filafelfia abgeholt. Dann ging's noch 30 Minuten zur Estancia, wo das Bett lauerte. Gute Nacht um 03.50 Uhr.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen