Heute (jetzt bereits gestern) hatte ich über 10 Stunden am neuen Geschäftslaptop zugebracht. Unter anderem das Privathaus in Filafelfia und die hiesige Estancia mit verschiedenen Zimmern und Gästehäuschen bei der Vermietungsplatzform "Airbnb" für Gerhard und Marylin gelistet. Das habe ich guten Gewissens getan, denn es ist empfehlenswert, mal auf einen Sprung im Chaco bei Iparoma vorbeizuschauen (Achtung, schamlose Werbung!).
Dann kann man vielleicht auch selbst einmal wie Adam, Hoss und Little Joe Cartwright
zur Nordweide reiten, um zu sehen, ob der Zaun noch intakt ist.
Die Pferde sind easy going.
Hacken tief und Knieschluss nicht vergessen!
Chef Gerhard rief mich zwischendurch und zeigte mir eine ungefährliche Schlange vor der Werkstatt. Der nützliche Froschfresser hat zwar Fangzähne, aber eben ohne Gift. Vermutlich wäre die direkte Konfrontation nicht schlimmer, als mein gestriger Griff in den Kaktus. Ich war demnach fest entschlossen, sie für das Foto hinter dem Kopf zu ergreifen (Gerhard hatte mich tendenziell dazu ermutigt), aber der flinke Bauchkriecher, der listiger ist als alle anderen Tiere des Feldes, entfleuchte unter einen Holzstapel.
Wie üblich, lief Gerhard auch zu dieser Zeit mit seinem zigarettenschachtelgroßen Transistorradio in der Hemden-Brusttasche umher und lauschte dem deutschsprachigen Chaco-Mennonitensender "ZP 30", als das in frommen Kreisen bekannte Lied "Stern auf den ich schaue" in meinem Beisein erklang. Ich hätte aus dramaturgischen Gründen wegen der Bedeutung des Textes gerne statt "erklang", "erscholl" geschrieben, um die Wucht des Liedes auch sprachlich auszudrücken, aber das wäre angesichts der geschätzten 1-2 Watt Mono-Ausgangsleistung aus der Hemdentasche doch zu dick aufgetragen gewesen.
Jedenfalls schloss ich Frieden mit dem Tier und wir einigten uns darauf, dass mir die Schlange nicht in die Ferse sticht und ich ihr nicht den Kopf zertrete.
Von Gerhard kann man extrem viel lernen.
Er ist kein Mann vieler Worte, aber wenn er etwas sagt, hat das Gewicht.
Was sonst noch so geschah? Wir haben eine tolle Gemeinschaft hier auf der Estancia. Sehr, sehr unterschiedliche Leute treffen sich. Fromme und Unfromme. Tierschützer und Tiertöter. Mülltrenner und Plastikabfall-Verbrenner. Aber da der gegenseitige Respekt ausgeprägt ist, funktioniert es prima. So gut, dass wir gemeinsam eine Art Mensch-Ärgere-Dich-Nicht entworfen und gespielt haben. Das Spiel ist ein Insiderspiel für uns als Gruppe, das real Erlebtes im Spiel abbildet. Etwa: "Du hast das Melken verschlafen! Gehe zurück zum Start" oder "Aua! Du hast dich am Kaktus gestochen. Gehe 2 Felder zurück, um eine Pinzette zu holen" oder "Du hast alle Pfannen fettfrei abgespült. Rücke 3 Felder vor".
Linke Hälfte des durch Bärbel gezeichneten Spiels.
Ideengeberin war Ziegen-Bärbel in der weitaus mehr steckt, als Liebe zu Tieren und Natur. Damals in der DDR wurden im Familienkreis regelmäßig Spiele entwickelt. Kaum hatte ich vor ein paar Tagen die Idee des gemeinsamen Spiels aufgebracht, holte Bärbel Papier und Buntstifte und los gings. Nebenbei erfuhr ich, dass sie nicht nur zur DDR-Jugend-Olympiade in Mathematik berufen wurde (ein Umstand, der mich als ehemaligen Mathe-Nachhilfeschüler erschaudern lässt), sondern auch an der nationalen Olympiade im Zeichnen vertreten war. Ich vermute, mit mir wäre damals in Ostdeutschland kein Blumentopf zu gewinnen gewesen. Immerhin, Bärbel spricht zwar gut englisch und auch ganz gut spanisch, aber mit dem deutsch hapert es. Sage nicht ich, sondern die Google-Spracherkennung ihres Android-Smartphones. Die kann nämlich ihr ausgeprägtes Leipziger Hochsächsisch nicht in Duden-anerkannte Schriftsprache konvertieren. Ei verbibbsch!
Das Spiel nahm einen für Alan harten Verlauf und er lag irgendwann abgeschlagen mit seinem kleinen Schneckenhaus als Spielfigur hinten. Alle anderen waren im Ziel. Er blieb gefasst, aber die Enttäuschung war ihm dennoch anzumerken. Ich habe ihm gesagt, dass keiner von uns alleine zurückbleibt, und wir alle warten würden, bis auch er sich ins Ziel gewürfelt hätte. Es ginge nicht darum, wer als erster ankommt, sondern dass alle heil ankommen. So geschah es dann; alle haben geklatscht, sich gefreut und keiner hat sich geärgert.
Nachbetrachtung zum 24. - 26.12.2017:
Kurzfassung: fand nicht statt.
Langfassung: keine roten Mützen, Rentiere, Lieder im Supermarkt, Werbung, Geschenke, Enttäuschungen, Kränze, Bäume, langweilige Gottesdienste, Umtauschaktionen, Lichterketten, guten Wünsche, Einladungen, Stress. Erholsam!
Andreas, Elli und ich haben abends, nach dem Abendessen noch ein Stündchen Bibel gelesen, uns ausgetauscht und gebetet. So, wie am 23. und am 27.12.




Siehst fesch aus, auf dem Pferd!
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