
Hier waren wir unterwegs.
Sogleich konnte ich mein vom 6-jährigen Alan erlerntes Pseudowissen von voriger Woche an den Mann bringen. Spuren von Wildkatze, Waschbär, Nandu usw. erkennen, ist eigentlich nicht so schwer, wenn man es einmal gesehen hat.
Auch die Kreischeule, saß da, wo sie immer sitzt. Ist dann auch beherrschbar.
Kakteen wachsen hoch hinaus.
Ich bereite mich mental auf meine Weiterreise in Richtung des Bundeslandes "Alto Paraguay" in spätestens 1 Woche vor, das groß und extrem dünn besiedelt ist. Über 82.000 km² und insgesamt nur 0,18 Einwohner pro Quadratkilometer! Selbst in Sibirien wohnen mit 3 Personen pro km² 15-mal so viele Menschen. Und sogar im eisigen Alaska, das einem nicht zuerst wegen dichter Besiedlung in den Sinn kommt, leben umgerechnet mehr Leute, als im hohen Norden Paraguays. Wer hätte das gedacht. Krass.
Daher will ich sehen, was so alles essbar ist.
Kleiner Kaktus (150cm) mit Drachenfrucht.
Habe ihn trotz stacheliger Gegenwehr fast leergeräumt.
Frucht schmeckt nicht hervorragend, aber doch annehmbar.
Gestern bereits hatte ich mir an einer anderen essbaren Kaktusfrucht gemeine, haarfeine Stacheln in die Fingerspitzen gejagt, die mich die ganze Nacht geplagt hatten (ein Pfennigartikel, wie meine Pinzette aus der DM war deshalb nicht in Gold aufzuwiegen) und heute also an einer der superspitzen Stacheln in die Hand gestochen. Merke: Die "Comedian Harmonists" hatten bereits 1934 mit ihrem Hit recht: "Mein kleiner grüner Kaktus, ja der sticht, sticht, sticht!"
Erstaunlich, dass sich Kakteen nicht bewegen und sich dennoch gut zu verteidigen wissen.
Vor diesen Riesenkaktus steht ein Baum, der nicht essbar ist, aber dennoch meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Siehe da, die mir bekannte Akazienart "Black Wattle". In Südafrika eine aus Australien eingeschleppte, sich oft schnell und unkontrolliert vermehrende Schadpflanze, weil sie andere Vegetation zurückdrängt . Hier werden, wie in Südafrika, die jungen Stämme abgeschnitten und der Stumpf mit Gift behandelt, um erneutes Austreiben zu verhindern. Im Chaco ist der Baum aber vermutlich deshalb kein großes Problem, da es hier im Jahresmittel zu trocken ist.
Der Samen des Schreckens der Black Wattle. Er treibt auch nach vielen Jahrzehnten
des Schlummerns in der Erde noch aus.
Beinahe unzerstörbar - überlebt selbst normales Feuer.
Wie lieblich dann doch das sanfte Blümlein, klein und stumm am Wegesrand, das irgendwie der harten Umgebung mit seinen hauchzarten Blättchen und dem filigranen Blütenstand widersteht. Egal, ob trampelnde Rinderherden, stechende Sonne oder Wolkenbrüche.
Die Frisur sitzt und das Blümchen, das keiner kennt, trotzt allen Widrigkeiten. Erstaunlich!
Das Unschöne soll nicht verschwiegen werden: Massiver Algenbesatz im Uferbereich dieses Weihers in bissigem BASF-grün. Dennoch, ausweislich der zahlreichen und unterschiedlichen Fußabdruckspuren und der Trampelpfade um den Teich, wird er stark durch allerlei Tierarten frequentiert. Man darf vielleicht als Chaco-Tier nicht zu wählerisch sein. Immerhin geruchsneutral.
Termiten mit großem Kastenbau im Baum.
Unbewohnt und verlassen. Baumaterial leicht, wie Pappkarton.
Wir sahen am BASF-Weiher noch kreisende Geier wie bei John Wayne, einen Leguan mit knapp 1 Meter Länge und eine schillernd bunte Echse, etwa 20 cm lang.
Alles schön und gut. Was mich noch sehr fasziniert, sind die langen und extrem stabilen Weidezäune hier. Die 5 dicken Drähte, die den Zaun ausmachen, sind über lange Distanzen so straff gespannt, dass nichts durchhängt und man auf den Zaundrähten Gitarre spielen könnte. Dass das die Holzpfosten an den Enden diese enormen Zuglasten aushalten!? Faszinierend (vermutlich nur für mich).












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