Das ist jedenfalls die Idee, wie ich die weniger als 500 Kilometer zurücklegen könnte. Blanke Theorie bis jetzt. Jetzt bin ich schon fast 500 km nördlich von Asunción im Chaco Central und wenn ich jetzt nicht weiter Richtung Norden fahre, dann wohl nie mehr. Moped hatte ich erwogen und ist auch bezahlbar, aber jeder riet mir davon ab, damit weitere Strecken zurückzulegen. Zu unzuverlässig. Außerdem gäbe es Schwierigkeiten beim Grenzübertritt wegen der Fahrzeugversicherung. Schließlich ist die Frage, wo ich ohne passendes Tankstellennetz Treibstoff herbekäme. Und 'ne 1000er Honda Africa Twin hab ich nicht.
Da dachte ich daran, dass es ja eine Zeit gab, in der die Bergsteigerlegende Luis Trenker lebte und wirkte. Also eine Zeit, bevor es wasserdichte Rucksäcke, Goretex und Funktionswäsche gab. Und bei Fahrrädern Worte wie Carbonrahmen, Shimano oder Rohloff nichtmal im Lexikon zu finden waren. Back to the roots, zurück zum Einfachen.
Also war die Idee geboren, als ich mit Andreas' Fahrrad zu meinem Arbeitsort hier auf der Ranch gefahren bin. Zugegeben hatte mich allerdings auch "Cycling Cindys" Geschichte inspiriert, als ich sie vor knapp 3 Wochen hörte.
An solch einem Fahrrad, so meine Überlegung, kann im Gegensatz zum Moped wenig kaputtgehen, und wenn es dennoch unterwegs völlig den Geist aufgeben sollte, verschenke ich es, bzw. lasse es zurück und fahre per Anhalter weiter oder gehe zu Fuß. Oder eine Kombination von beidem. In Simbabwe damals konnte ich auch mehrfach auf irgendwelchen Eselskarren durch den Busch mitfahren. Laufen von Anfang an ist zu weit und zu langweilig. (Die einzige Abwechslung beim Gehen im hohen Norden wäre vielleicht ein Jaguar und den brauche ich nicht. Mir egal, wie der aussieht oder was der kann oder nicht kann. Bleib weg!).
Das Fahrrad werde ich für die Dauer meiner Unternehmung von Andreas ausleihen können. Bringe ich es nicht zurück, gebe ich ihm die 150 Euro, die das Teil hier etwa kostet.
Ausstattungsschwerpunkte des Rades:
Vorderbremse: nicht vorhanden
Licht vorne: nicht vorhanden
Licht hinten: nicht vorhanden
Klingel: nicht vorhanden
Tacho: nicht vorhanden
Gangschaltung: nicht vorhanden
Lenkerhörnchen: nicht vorhanden
Kette: knarz 200, Modell rostig.
(quasi Sonderedition "Luis Trenker")
(quasi Sonderedition "Luis Trenker")
Das bedeutet dankenswerterweise, dass all diese genannten Dinge auch nicht kaputt gehen können.
Ein hoffentlich robuster Heiker also mit Stahlrahmen der renommierten Weltmarke
CALOI, Typ "Terraforte"
Eine 2-stündige Probefahrt ergab, dass der weiche, breite Sattel toll ist, um zum 200m entfernten Bäcker zu gleiten, um 4 gemischte, glutenfreie Vollkornbrötchen zu holen, ansonsten sich jedoch als ungünstig für das Wohlbefinden auf längeren Strecken erwies. Außerdem kann die Sattelstütze nicht weit genug herausgezogen werden. Der ständige Nachteil, wenn man lange Beine hat. Ungepolsterte Lenkradgriffe waren auch nicht optimal. Aber was soll's, dafür habe ich seitliche Speichen-Reflektoren an den Rädern! Die hatte nichtmal Luis T. am Baumwollrucksack mit Lederriemen.
Kraftfahrzeuge waren bereits hier Mangelware. Im Gegensatz zu Moskitos, die glichen den Mangel deutlich aus. Da hieß die Devise wie einst bei Hannes Kammer im Fußballtraining beim FCA in den 80-ern: "Immer in Bewegung bleiben, Männer!".
4 Pick-Ups und 1 Motorrad traf ich in 2 Stunden. Alle Fahrer grüßten freundlich (oder zeigten sie mir den Vogel?). Egal, mir stand gewiss die allermeiste Zeit der breiteste Fahrradweg (abgesehen von der Sahara) zur Verfügung.
Bei meinem Versuch, der staubigen Sandpiste zu entgehen und meinen Rückweg abzukürzen, landete ich auf immer dünner werdenden Pfaden und irgendwann stand ich im Wald. Sprichwörtlich. Da kam mir beim Schieben des Gefährts und Nachdenken über das zukünftige Übernachten in meiner Hängematte der Gedanke, dass Pumas aus dem Stand 5,5 Meter hoch springen können. Merkwürdig, welche Gedanken einem durch den Kopf gehen, wenn man ein blaues Fahrrad durchs Gestrüpp schiebt...
Nun ja, ich konnte mich an der Sonne orientieren und der Weg nach Westen war durch die Staubpiste begrenzt. So kämpfte ich mich mit dem Rad über und unter ungezählte Zäune von Estancias und war noch vor Einbruch völliger Dunkelheit sicher zu Hause. Leider habe ich beim Über- oder Unterklettern von Hindernissen bereits meine zweite Lesebrille verloren. Jetzt habe ich nur noch den Joker, eine weiße Restbestands-Plastik-Damenbrille, 2.5 Dioptrin von der Stange. Am Nachtschalter der Apotheke in Filafelfia gekauft. Immerhin, die Apothekerin meinte: "Cool".
Am übermorgigen Dienstag will ich dann noch in die Stadt nach Filafelfia, um Ersatzschlauch, Flickzeug, Luftpumpe und einen Schraubenschlüssel für die Radmuttern zu kaufen. Und ein paar Kilo Erdnüsse. Nach der Tour habe ich dann vermutlich genug von Ültje & Co. Wasserreinigungstropfen habe ich aus Deutschland. Hängematte mit Moskitonetz auch.
Mein Handy schalte ich ab Mittwoch früh aus, um Akku zu sparen. Mein externer Akkupack gibt mir zwar noch 2 Extraladungen, aber wer weiß, wann ich wieder aufladen kann. Außerdem sagt Andreas, dass meine CLARO-Sim-Karte da oben eh keinen Empfang hat.
Marcus' gepostes Lied hat mich angesprochen und so verlinkte ich es ungeniert.
Liebe Familie, Freunde, Bekannte und vielleicht sogar unbekannte Leser, ich wünsche euch ein gutes Neues Jahr 2018.
"Yahweh segne dich und behüte dich; Yahweh lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; Yahweh hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Shalom (Frieden)."
(4.Mose 6:24-26)
(4.Mose 6:24-26)




Lieber Geo, auch dir ein reichlich gesegnetes Jahr und weiterhin viele interessante Erlebnisse und Begegnungen.
AntwortenLöschenShalom Wolfgang
Sehr sehr cool. Mich wundert es jedoch, das du die kreisrunde Rahmenverstärkung nicht löblich aufgeführt hast. Ich habe ein solches Design noch nie gesehen. Es erscheint mir aus statischer Sicht ein echter Knaller zu sein. Und könnte durchaus auch als Topfhalter über dem Lagerfeuer dienen. Ich wünsche dir ein wunderschönes 2019. Denn nur dann, wenn das 2019 gut wird, hat dich das Rad wohlbehalten 2018 durch das Chako gebracht..
AntwortenLöschen